Samtgemeinde Selsingen überdenkt Zuschussregelung für Rhader Kindertagesstätte - ZZ 18.10.2014

 

Auf der Suche nach einer gerechten Lösung

Samtgemeinde Selsingen überdenkt Zuschussregelung für Rhader Kindertagesstätte - Wettbewerb mit Ostereistedter Kindergarten

SELSINGEN. Der politische Wille ist klar: In jeder ihrer acht Mitgliedsgemeinden möchte die Samtgemeinde Selsingen Kindergärten oder Spielkreise erhalten wissen. Allein die Auslastung ist unterschiedlich.

Deutlich wird das vor allem am Beispiel des Kindergartens der Gemeinde Ostereistedt. Obwohl es in den Ortsteilen Rockstedt und Ostereistedt genug Nachwuchs gibt, um die Einrichtung problemlos auszulasten, schicken viele Eltern ihre Kinder lieber in die Krippe und den Kindergarten der Gemeinde Rhade.
Das Resultat: Die Regelgruppe in Ostereistedt ist nur zu etwa zwei Dritteln ausgelastet, während in Rhade neben der Regelgruppe eine zusätzliche Kleingruppe nahezu voll belegt ist. Dieses Ungleichgewicht und insbesondere die Zuschussregelung der Samtgemeinde für die Kita in Rhade beschäftigte am Donnerstagabend den Sozialausschuss der Samtgemeinde.
Vorsitzende Ulrike Ringen, zugleich Bürgermeisterin in Ostereistedt, erläuterte, es sei wichtig, eine gerechte Zuschussregelung zu finden. „Es geht nicht darum, den Zuschuss in Frage zu stellen“, versicherte Samtgemeindebürger-meister Hans-Hinrich Pape. In der Rhader Kindertagesstätte werde eine gute Arbeit geleistet, das stehe außer Frage. Jedoch hätten sich die Rahmenbedingungen für die bisherige Zuschussregelung verändert.
Die Erstattung des Landkreises habe sich erhöht und anhand verschiedener Zahlenbeispiele verdeutlichte Pape, wie sich der Zuschuss der Samtgemeinde für die Rhader Kita jeweils verändert. Ein Knackpunkt: Verringert die Samtgemeinde die Zahl ihrer Betreuungsplätze, erhöht sich der Zuschuss für die Kita Rhade. Das könne nicht sein. Das Berechnungsmodell gelte es zu überdenken.

Appell an Eltern
Außerdem machte Hans-Hinrich Pape deutlich, er hielte es für sinnvoller, die Kinder aus der Gemeinde Rhade in Rhade und die aus der Gemeinde Ostereistedt in Ostereistedt betreuen zu lassen. Diesen Appell richtete er auch an die Eltern Motto: „Kurze Wege für kurze Beine.“ Für die eigenen Kinder würde in Rhade eine Regelgruppe ausreichen. So ließe sich das Angebot dort verknappen, damit Eltern aus Ostereistedt ihre Kinder in ihrer Heimatgemeinde anmelden und die Einrichtung dauerhaft sichern. „Die Erfahrung lehrt: Das Problem liegt eher bei den Eltern als bei den Kindern“, befand Pape.
Da die Samtgemeinde erhebliche Teile des Defizites der Kita Rhade trage, dort aber nichts zu sagen habe, beanspruche sie nunmehr ein Mitspracherecht. Bezüglich der Zuschussregelung und eines Mitspracherechts bedürfe es Verhandlungen. Zumal Rhade den Entgeltsatz für Eltern gesenkt habe. „Es kann nicht sein, dass man sich innerhalb der Samtgemeinde Konkurrenz macht.“
Ratsherr Dr. Hein-Arne zum Felde (CDU) beantragte, dem Samtgemeindebürgermeister den Auftrag zu erteilen, mit Rhade zu verhandeln und gleiche Bedingungen für alle Eltern zu schaffen, außerdem ein Vetorecht einzufordern. „Konkurrenz gerne, aber die Waffen sollten die gleichen sein“, so Dr. zum Felde.
Reinhard Lindenberg (WFB) stellte klar: Eine Konzentration von Kita-Plätzen sei auf Samtgemeinde-Ebene nicht gewünscht, wenn Ostereistedt ein Problem habe, dann habe die Samtgemeinde ein Problem. Bernd Schröder aus Rockstedt (CDU) schlug vor, den Rhadern das Defizit nur für 25 Kinder der Regelgruppe zu erstatten, den Rest müsse Rhade aus eigenem Etat bestreiten. Hans-Hinrich Pape fasste zusammen, es gehe darum, die Kita Ostereistedt zu stabilisieren und Rhade offensiver entgegen zu treten.

Einstimmig empfahl der Sozialausschuss, eine Einigung mit den Gemeinden Rhade und Ostereistedt herbeizuführen, die Zuschussregelung für Rhade dem Grunde nach beizubehalten, aber mit einer Deckelung zu versehen und ein Mitspracherecht einzufordern, sodass letztlich die Kosten von Eltern aus beiden Gemeinden für die Kita-Betreuung die gleichen sind. (Ih)

Meine Meinung: LUTZ HILKEN
Abstimmung mit den Füßen

Die Samtgemeinde pocht auf die Solidarität und Gleichbehandlung ihrer Mitgliedsgemeinden, will ein Miteinander. Das ehrt sie und ist auch gut so. Beim Thema Kinderbetreuung sind Zahlenspiele und Appelle indes nicht ausreichend, um Eltern davon zu überzeugen, ihren Nachwuchs doch bitte in eine bisher schwächer besuchte Einrichtung zu schicken (Kindergarten Ostereistedt) und nicht in die Kita mit Krippe und Kindergarten in Rhade.
Die Gründe, weshalb einige Eltern aus der Gemeinde Ostereistedt ihre Kinder lieber in Rhade anmelden, mögen vielfältig sein. Zwei stichhaltige Argumente fallen immer wieder: die Krippe als solche und die Öffnungszeiten. Wer Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen hat, sein Kleinkind für die Krippe in Rhade anmeldet, der möchte nicht, dass es anschließend in den Kindergarten in Ostereistedt wechselt und dann zurück zur Grundschule in Rhade geht. Wer mehrere Kinder im Vorschulalter hat, der will seine Söhne und Töchter schon mal gar nicht in verschiedenen Orten betreut wissen, sondern wünscht Konstanz - nicht nur aus praktikablen Gründen, sondern auch die Bezugspersonen betreffend. Das ist nachvollziehbar.
Mithin sprechen zwei erhebliche Vorteile für Rhade: die längeren Öffnungszeiten und das Krippenangebot. Das hat Eltern in der Gemeinde Ostereistedt überzeugt, ihre Kinder nicht daheim, sondern in Rhade anzumelden. Das mögen Samtgemeinde Selsingen und Gemeinde Ostereistedt beklagen, doch das Angebot in Rhade hat die Nachfrage bestimmt. Das nennt man wohl eine klassische Abstimmung mit den Füßen.
 

Diskussion mit Eltern im Rathaus
SELSINGEN. Zahlreiche Eltern von in Rhade betreuten Kita-Kindern verfolgten am Donnerstagabend die Sozialaus-schusssitzung im Selsinger Rathaus (siehe nebenstehenden Bericht). In der Einwohnerfragestunde meldeten sie sich zu Wort. Dabei machten sie deutlich, dass es den Rockstedtern trotz ähnlicher Entfernung eben nicht egal sei, ob ihre Kinder nun in Rhade oder Ostereistedt betreut werden.
„Wie die Kinder gefördert werden, ist ein himmelweiter Unterschied“, machte ein Redner deutlich. Wegen geringerer Beiträge würden die Mädchen und Jungen jedenfalls nicht nach Rhade geschickt. Sie fühlten sich dort gut aufgehoben.
Samtgemeindebürgermeister Hans-Hinrich Pape war dieses Argument bewusst, daher sei das Personal in Ostereistedt ausgetauscht worden. Nunmehr sei die Situation eine andere. Daher appellierte er an die Eltern, der Einrichtung in Ostereistedt eine Chance zu geben.

Ideale Öffnungszeiten
Eine Mutter argumentierte, die Öffnungszeiten in Rhade seien „ideal“, außerdem sei dort eine Krippe vorhanden. Ausschussvorsitzende Ulrike Ringen, die Bürgermeisterin in Ostereistedt ist, befand hingegen, es müsse doch möglich sein, dass Eltern ihre Kinder nach der Rhader Krippenzeit in Ostereistedt im Kindergarten anmelden.
Ein Vater vertrat die Ansicht, dass die Kombination aus Krippe und Kindergarten heute dem Zeitgeist entspreche, Einrichtungen ohne Krippe auf Dauer „eingehen“ werden.
Letztlich verdeutlichte Hans-Hinrich Pape, dass bei den bevorstehenden Verhandlungen „alle Optionen offen“ seien, eine Krippe in Ostereistedt zu bauen allerdings unrealistisch sei. Und Reinhard Lindenberg (WFB) verwies auf die „finanzielle Asymmetrie“, sodass im Sinne des Friedens mit den Mitgliedsgemeinden nunmehr ein Konsens zu finden sei. (Ih)

ZZ 18.10.2014