Helfer hoffen auf Hilfe - ZZ 22.07.2015

Helfer hoffen auf Hilfe - ZZ 22.07.2015

Helfer hoffen auf Hilfe

Rhader Privatinitiative kümmert sich um Flüchtlinge im Ort und sucht nun weitere Unterstützer

VON LUTZ HILKEN

RHADE. Eine kleine Privatinitiative engagiert sich für die in Rhade untergebrachten Flüchtlinge. Die Bürger unterstützen die aus dem Kosovo und aus Serbien stammenden Familien mit Fahrten zu Fachärzten, Behörden oder zum Einkäufen, sie kümmern sich um die Kinder. Die Aufgabe ist bereichernd und fordernd zugleich. Das Team um Volker Falkenhahn hofft nun auf weitere Mitstreiter, um die freiwillige Arbeit auf möglichst viele Schultern zu verteilen.

 

Die in Deutschland Asyl suchenden Menschen werden flächendeckend untergebracht. Die Samtgemeinde Selsingen sucht seit Monaten Wohnraum, da mit weiteren Flüchtlingen zu rechnen ist. Zwischenzeitlich hat sie drei Familien in Rhade untergebracht, von denen eine „mit uns nicht bekanntem Ziel“ inzwischen weg ist, wie Volker Falkenhahn feststellt.

Eigene Erfahrungen gemacht
Er stammt selbst aus einer Familie, die in den 1940er Jahren hat flüchten müssen und ist daher für das Thema sensibilisiert. Er gehört dem Freundeskreis Asyl Zeven-Selsingen an und ist wie selbstverständlich tätig geworden, als im Dezember vergangenen Jahres ein kosovarisches Ehepaar mit vier Kindern in Rhade untergebracht wurde. Im Frühjahr folgten zwei weitere Familien mit jeweils fünf Kindern aus Serbien, von denen eine wie beschrieben nicht mehr im Ort lebt.

Volker Falkenhahn war „freudig überrascht“, dass er rasch Mitstreiter fand, die sich seither um die Flüchtlinge kümmern. Denn die Samtgemeinde hat zwar pflichtgemäß für deren Unterbringung zu sorgen, nicht aber für die weitergehende Betreuung.
Um nicht tatenlos zuzusehen, besorgten die Rhader etwa Fahrräder für die Flüchtlinge, sie suchten Kontakt zu Sprachkennern. „Ohne Dolmetscher könnten wir das nicht schaffen“, sagt Volker Falkenhahn und verweist damit auf ein grundsätzliches Problem.
Er hielte es für hilfreich, wenn sich Menschen im Ort oder in der Umgebung fänden, die den hiesigen Flüchtlingen Sprachunterricht geben. Hilfe sucht das Team auch in Bezug auf Fahrtem Denn die Anbindung Rhades an den öffentlichen Personennahverkehr ist nicht derart, dass alle Touren mit dem Fahrrad oder dem Bus erledigt werden könnten.
Geht es zum Facharzt, zur Tafel oder etwa zu einer Behörde, so lasse sich dieses häufig nur mit dem Auto, bewerkstelligen. Hier springen die freiwilligen Helfer ein. Sie hoffen, dass weitere Einwohner punktuell bereit wären, unterstützend tätig zu werden. Zumal die in Rhade untergebrachten Flüchtlinge bezüglich der Verkehrssituation schlechter gestellt seien als jene etwa in Selsingen. Losgelöst vom zeitlichen Aufwand wünschten sich die Helfer einen finanziellen Ausgleich für ihre Fahrten.
Generell aber betonen sie: „Wir tun das für unser Dorf.“ Und: „Man bewirkt etwas, die Arbeit macht Freude und man bekommt Bestätigung.“ Volker Falkenhahn ergänzt: „Vieles von dem, was wir tun, betrifft vorrangig die Kinder/' Wer sich für die Arbeit des Teams um Volker Falkenhahn interessiert oder sich mit eigenen Möglichkeiten einbringen möchte, der kann sich direkt an ihn wenden unter Telefon: 04285/925427.
 

 

MEINE MEINUNG - LUTZ HILKEN: Einsatz verdient Respekt

Dass sich Bürger ehrenamtlich um Flüchtlinge kümmern ist eine zutiefst menschliche Geste, die Respekt verdient. Asylbewerber jenseits von gesetzlich zu erfüllenden Pflichten eben nicht sich selbst zu überlassen, in einem für sie fremden Land mit fremder Sprache und Kultur, das ist gelebtes Miteinander.
Fern der unsäglichen Pegida-Strömungen zeigen weltoffene Einheimische, dass es eben auch anders geht. Aufeinander zuzugehen, mögliche Vorurteile abzubauen, im Idealfall gegenseitiges Verständnis für die jeweiligen Sorgen und Bedürfnisse des Gegenübers zu entwickeln, damit wäre schon viel erreicht. Nicht zuletzt im Sinne des dauerhaften Dorffriedens. ‘
Dass das Kümmern kein Selbstläufer und nicht immer einfach ist, sondern emotional belas-
tend sein kann, das haben ehrenamtliche Helfer - nicht nur in Rhade - festgestellt. Doch was ist die Alternative? Sich nicht einzusetzen wäre die für alle Seiten weitaus schlechtere Lösung.
Darum ist es freiwilligen Helfern, ob in Rhade oder anderswo, sehr zu wünschen, dass sie weitere Mitstreiter finden und sich die zweifellos vorhandenen Belastungen auf möglichst viele Schultern verteilen lassen - dann haben alle Beteiligten etwas davon, Flüchtlinge und Einheimische.
Die hohe Kunst ist es, das Beste aus diesen unter schwierigen Voraussetzungen zustande kommenden „internationalen Begegnungen“ zu machen. Sich vor Augen zu führen wie es wäre, geriete man selbst in eine Notsituation und suchte Asyl in einem anderen Land, könnte die Entscheidung erleichtern. Motto: „Was du nicht willst, das man dir tu, das füge auch keinem ändern zu.“ ZZ 22.07.2015