Generalprobe: „Habt Ihr die Leiche fertig?“ - ZZ 14.11.2009

Generalprobe: „Habt Ihr die Leiche fertig?“ - ZZ 14.11.2009

Generalprobe: „Habt Ihr die Leiche fertig?“

RHADEREISTEDT. Shakespeare in Rhadereistedt! Die Balkonszene: Senior Herr Beckmann (Hans-Hinrich Bredehöft) und Frau Paul (Christiane Kruse als anmutige Seniorin) himmeln sich an und deklamieren Liebesversprechen. Aus dem „Off“ hinter der Bühne erklingt die Stimme von Paul Mattulat: „Warum sagt der denn nix?“ Von renate Schwanebeck

Als Herr von Krottow will er eine Theaterprobe der anderen Senioren mit einer flotten Marschmusik torpedieren, da er lieber Mensch-ärgere-dich-nicht spielen möchte. Aber der CD-Spieler streikt. Glück gehabt: Es ist ja erst die Generalprobe der Rhader Landbühne („Rha-La-Bü“) an diesem Donnerstagabend. Alle lachen. Weiter im Text des Stückes „Minsch arger di nich“ von Florian Battermann. Als das widerborstige CD-Gerät endlich seinen Dienst tut, kommt Herr von Krottow im Stechschritt auf die Bühne und tritt zum „Mensch-ärgere-dich-nicht“-Spielen an.

Herr Beckmann, einst erster Schauspieler am Lüneburger Stadttheater, ist erzürnt. Herrlich, wie Hans-Hinrich Bredehöft als der gewissenhafte Künstler und sein Gegenpart Paul Mattulat als der alte Haudegen im ständigen Zwist liegen.

Pfleger Max erscheint und schimpft Herrn Beckmann einen „Provinzregisseur“ und Herrn von Krottow einen „Westentaschen-Rommel“. Aber auch die Bewohner des Seniorenheims haben jede Menge zu schimpfen.

Nach Sandkuchen, Marmorkuchen und Topfkuchen hat Herr Beckmann die „Puttkoken“-Variationen langsam satt. Da nimmt Max ihm – zack – den Teller weg und er hat gar nichts.

Von Krottows Enkelin Tina (Tina Bredehöft) soll nun nicht nur das geliebte Danziger Goldwasser mitbringen, sondern auch mal eine ordentliche Torte.

Max wird immer unerträglicher und klasse gespielt von Andreas Meyer. Dass er den Senioren keine Wertschätzung entgegenbringt, wird schon deutlich, als er das bei der Generalprobe noch fiktive Publikum begrüßt. Als Tina zu Besuch kommt, will er ihr direkt an die Wäsche, so dass sie ihn kurzerhand flachlegen muss.

Als er nun auch noch den armen Herrn Siebrecht schlägt, steht für die Senioren fest: Max muss weg. Die Senioren halten Kriegsrat. „Im Kamin verbrennen“, schlägt Frauke Thoden, herrlich als tüddelige alte Dame, vor. „Ich mache alles mit, nur nicht zerstückeln...“ „Ich hab's“, ruft Krimi-Leserin Frau Paul in die Runde. „Nein“, erschallt die Stimme von Regisseurin Brigitte Druske aus dem Saal. „Du bist noch nicht dran.“ Schließlich steht der Mord-Plan. Pause.

Gelächter hinter dem Vorhang. Frage der Regie aus dem Saal: „Habt Ihr die Leiche fertig?“ „Jou“, dröhnt es von der Bühne. Vorhang auf zum letzten Akt. Und soviel steht fest: Das spannende Stück endet mit einem Knall-Effekt. Unbedingt hingehen, wenn Shakespeare und Agatha Christie aufeinander treffen. Premieren sollen ja gut gelingen, wenn es vorab genug Pannen bei der Generalprobe gegeben hat…

Nach der für gestern Abend geplanten Premiere folgen am heutigen Sonnabend im Rhadereistedter „Gasthof Mohrmann“ um 15 und um 20 Uhr weitere Vorstellungen. Am Sonnabend und Sonntag, 21. und 22. November, wird jeweils ab 20 Uhr im „Jägerhaus Rudnick“ in Rhade gespielt.


Auf einen Blick


Was: „Minsch arger di nich“, plattdeutsches Theater der Rhader Landbühne

Wann: Sonnabend, 14. November, 15 und 20 Uhr
Wo: Rhadereistedt, „Gasthof Mohrmann“

Wann: 21., 22. November, 20 Uhr
Wo: Rhade, „Jägerhaus Rudnick“

Artikel vom 14.11.09