Was wird aus Dorftreff im Ortskern?

28.11.2020 00:00

Rhader Arbeitsgruppe lässt sich bei Ratssitzung von der Planung entbinden – Weder Abriss noch Erhalt derzeit ein Thema

Nach der Entscheidung des Rhader Gemeinderates, das ehemalige Gasthaus im Ortskern aus Kostengründen nicht zu einem Dorftreff umzubauen, folgt jetzt der Nachschlag. Das Gebäude jetzt doch schnell abzureißen oder wahlweise auf keinen Fall abzureißen: Diese Bitten sind an den Bürgermeister  herangetragen worden.

aus Dorftreff im Ortskern?Vor der Corona-Pandemie gab es verschiedene Veranstaltungen im bisher provisorischen Dorftreff, wie hier im Februar 2019 die Faschingsfeier des TSV Rhade.Hilken

„Es war klar, dass die Entscheidung zu Diskussionen in Rhade führt“, sagte Marco Mohrmann bei der jüngsten Gemeinderatssitzung. Doch den Zuhörern aus dem Publikum in der Aula der Grundschule machte der Bürgermeister auch klar: „Weder das eine noch das andere steht zur Debatte.“ Vielmehr gehe es jetzt um die Frage, „wie wir das Dorf weiter entwickeln und was wir für kluge Ideen haben, wie wir damit umgehen“.

Dies sei Gegenstand einer Diskussion mit dem Planungsbüro und dem Amt für regionale Landesentwicklung, die die Verbunddorferneuerung begleiten. Die Gemeinde habe das „klare Signal“ erhalten, dass das Förderprogramm weiterläuft.

Aufgabe des Gemeinderates sei es nun zu überlegen: „Wie gehen wir mit der Dorfmitte um? Was gibt es für Alternativen und Perspektiven, um sie attraktiv zu gestalten?“ Und zwar mit einer Nutzung, die Sinn ergebe und in einem Verhältnis zu den Kosten stehe, die die Gemeinde tragen kann. „Da gibt es eine Menge zu bedenken“, befand Mohrmann. Allen Skeptikern versicherte er: „Hier werden keine schnellen Beschlüsse gefasst, sondern wir wollen gemeinsam  überlegen, wie wir damit umgehen.“ Ratsherr Olaf Wendelken ergriff das Wort und verlas eine Erklärung der Arbeitsgruppe (AG) Dorftreff, der er angehört. Darin bittet die AG den Rat, von seiner bisherigen Planungsaufgabe entbunden zu werden. Der Betrieb des Dorftreffs könne jedoch weiterhin in jetziger Form organisiert werden.

Saal 1933 errichtet

Wendelken erinnerte, der Saal des Dorftreffs sei 1933 privat errichtet worden und diene seither als multifunktionaler Versammlungsort. Der Bau des benachbarten Gaststättengebäudes folgte Mitte der 1950er Jahre. „Die ersten Planungen für das Projekt Dorftreff begannen vor acht Jahren und führten zur Dorfentwicklung Selsingen-Süd“, hob Olaf Wendelken hervor.

In diesem Prozess sei der Dorftreff Rhade als Ankerprojekt mit hoher Priorität definiert worden. Und der Ratsherr erwähnte den 2017 eingeweihten Dorfladen im benachbarten ehemaligen Volksbankgebäude, der mit großem ehrenamtlichen Engagement geführt werde. Daran anknüpfend sollte der Dorftreff Rhade  mit bis zu 500 000 Euro Förderung sowie einem Eigenanteil von bis zu 293 000 Euro und Eigenleistungen als „ortsprägendes Gebäudeensemble für den  Ortsmittelpunkt erhalten werden“. Olaf Wendelken machte deutlich, wie viel Engagement von Bürgern in dem Vorhaben steckt: „In vielen tausend  ehrenamtlicher Arbeitsstunden entstanden Konzepte, Pläne und die Umsetzung für eine aktive Dorfgemeinschaft und ein ansprechendes Vereinsleben.“

Am 2. Oktober habe sich der Rat aber nun auf Grundlage der bisherigen Planung gegen einen Förderantrag entschieden. Dafür zeigt die AG Dorftreff nun, acht Wochen später, ein gewisses Verständnis: „Aufgrund erheblicher Preissteigerungen im Baugewerbe sowie Unsicherheiten der öffentlichen Finanzen  aufgrund der Corona-Pandemie ist nachvollziehbar, dass gegenwärtig vom Rat die Risiken für das Projekt Dorftreff höher eingeschätzt werden als die  Chancen.“

Nunmehr seien die Anforderungen an ein tragfähiges Konzept für den Dorftreff vom Rat vorzugeben, dabei müsse die Wirtschaftlichkeit berücksichtigt  werden. Die AG danke allen Helfern und Unterstützern, „denn nur sie haben es möglich gemacht, im Saal- und Zwischenbau einen provisorischen Betrieb  über drei Jahre aufzunehmen und diesen Gebäudebereich so herzurichten, dass er benutzbar ist und von der Bevölkerung angenommen wurde“.

Abschließend betont die AG in ihrer Erklärung, dass Horst Schäfer als früherer Lenkungsausschuss-Vorsitzender des Arbeitskreises „Zukunft für Rhade“  dem Gemeinderat bei der weiteren Ideensammlung bei Bedarf gerne als Ansprechpartner zur Verfügung steht. Er werde sich mit seinen Mitstreitern  zunächst wie in den vergangenen Jahren um die Pflege der Außenanlagen und den Erhalt der Gebäudesubstanz kümmern.

Wendelken betonte: „Nach einem positiven Signal seitens des Gemeinderates, bezogen auf ein tragfähiges Konzept für den Dorftreff Rhade“, würden die  bisher geplante Vereinsgründung und eine erneute Mitarbeit angestrebt. Dem Dank an die vielen Unterstützer schloss sich Marco Mohrmann im Namen des Gemeinderates „vollen Herzens“ an.

 

Zevener Zeitung vom 28.11.2020