„Wir brauchen jeden von euch” - Bürgerversammlung am 15.01.2013

„Wir brauchen jeden von euch” - Bürgerversammlung am 15.01.2013

„Wir brauchen jeden von euch”

„Jägerhaus Rhade”: Initiativgruppe stellt Umfrage-Ergebnisse vor - Ausschüsse gebildet - Gebäude wird demnächst entrümpelt

VON LUTZ HILKEN
RHADEREISTEDT. Das Jägerhaus" in Rhade beschäftigt viele Einwohner. Ihnen geht es nicht nur um die Zukunft der ehemaligen Gaststätte, sondern um die des Dorfes. Einer repräsentativen Umfrage zufolge stimmen relativ wenig Bürger für den Abriss des Gebäudekomplexes. Die überwiegende Mehrheit hofft auf eine zukünftige Nutzung als Dorfge- meinschaftshaus, als Einkaufsstätte oder Veranstaltungssaal.
Die vom Gemeinderat legitimierte Initiativgruppe „Jägerhaus Rhade“ stellte ihre Umfrage-Ergebnisse am Dienstagabend detailliert vor. Rund 50 Interessierte verfolgten die Präsentation bei einer Bürgerversammlung im Rhadereistedter „Gasthof Mohrmann“.
Das „Jägerhaus“ sei eigentlich nicht aus dem Dorfmittelpunkt wegzudenken, sagte Gemeindebürgermeister Thomas Czekalla. Entscheidend sei, es mit Leben zu füllen. Der aus engagierten Einwohnern bestehenden Initiativgruppe sicherte er die „volle Unterstützung des Rates“ zu.
Zur Erinnerung: Die Gemeinde hatte das Gebäude im vergangenen Jahr ersteigert und wollte es ursprünglich abreißen lassen. Jetzt ergeben sich dank der Initiativgruppe neue Perspektiven. Die Grundentrümpelung des „Jägerhauses“, kündigte Thomas Czekalla an, werde im Januar oder Februar erfolgen. Sie müsse ohnehin geschehen, egal was mit dem Gebäude passiere. Allerdings bekannte er, dass Gespräche mit einer Investorengruppe über die Einrichtung eines Lebensmittelgeschäftes vorerst gescheitert seien, weil in Gnarrenburg und Zeven weitere größere Märkte entstehen sollen. Daher gelte es von vorne anzufangen und „unsere Fühler neu auszustrecken“.
Horst Schäfer von der Initiativgruppe erinnerte sodann an die Worte des Gutachters Kramer, in der Bevölkerung ein Bewusstsein für die demografische Entwicklung und die damit verbundenen Probleme zu schaffen und sich zu fragen: Was wollen wir?
„Uns geht es um eine nachhaltige und ganzheitliche Dorfentwicklung für Rhade und Rhadereistedt“, verdeutlichte Schäfer.
Das Dorf müsse lebenswert sein und seine Lebensfähigkeit erhalten bleiben, es gelte, die Lebensbedingungen eigenverantwortlich zu gestalten, die lokale Identität zu erhalten und zu stärken.

520 Vorschläge

Rolf Heinz von der Initiativgruppe stellte die Befragungsergebnis: se vor, keine Idee und keine Meinung fiel unter den Tisch. Die teilnehmenden Bürger hatten insgesamt 520 Vorschläge gemacht, was mit dem „Jägerhaus“ passieren könnte. Zusammengefasst ergab sich folgendes Bild: 38 Stimmen befürworten den Abriss.
Mehr als 90 Einwohner favorisieren ein Dorfgemeinschaftshaus, 116 die Einrichtung eines Lebensmittel- oder Dorfladens, 61 sind dafür, den Saal für Veranstaltungen und Feste zu nutzen. Das wertete Rolf Heinz als deutliches Resultat, um Projekte auf ihre Machbarkeit hin zu prüfen und entsprechend zu planen. Etliche Bürger wollen sich gerne daran beteiligen: 88 haben ihre aktive Unterstützung fest zugesagt, weitere erwägen sie. Über eine Trägerschaft, ob Verein oder Genossenschaft etwa, machen sich die Initiatoren ebenfalls Gedanken.

Viele Bürger würden einer Mitgliedschaft zustimmen. An regelmäßigen (25 Zusagen) oder einmaligen Spenden (56 Zusagen) für das Projekt wollen sich ebenfalls viele Bürger beteiligen. „Das macht mir Hoffnung“, sagte Rolf Heinz. Zugleich appellierte er an alle Interessierten, sich in die Teilnahmelisten einzutragen: „Wir brauchen jeden von euch!“ Sein Mitstreiter Dieter Spreckels stellte die Ausschüsse vor und das Ziel, den demografischen
Wandel mit allen interessierten Bürgern, Vereinen, Institutionen, Gewerbetreibenden und dem Rat zu gestalten. Der Arbeitskreis bestehe aus zehn Ausschüssen, die miteinander verzahnt sind. Die Gremien beginnen eigenverantwortlich mit ihrer Arbeit.

Thomas Czekalla bedankte sich für die Präsentation und bei den anwesenden Bürgern: „Ich gehe davon aus, dass wir uns das nächste Mal bei einem Tag der offenen Tür sehen werden.“

 

„Wir möchten mit den Rhader Bürgern und dem Gemeinderat gemeinsam Perspektiven für die Gemeinde entwickeln": Horst Schäfer.

 

 

„Was immer wir tun soll dem Ziel dienen, dass wir etwas Gutes für unser Dorf tun wollen": Dieter Spreckels von der Initiativgruppe.

„Wir haben uns besonders über die Einstimmigkeit dieses Beschlusses gefreut": Rolf Heinz über den Auftrag des Rates, weiter zu planen.

 

 

 

„Was Ihr geleistet habt in dieser kurzen Zeit ist beachtlich und hochinteressant" : Gemeindebürgermeister Thomas Czekalla.    Fotos: lh

 

 

Lutz Hilken - Meine Meinung: Beeindruckendes Tempo
Alle Achtung: Die Initiativgruppe legt ein beeindruckendes Tempo vor, um Perspektiven für das „Jägerhaus“ in Rhade auszuloten. Nur wenige Monate sind vergangen, schon steht ein Rahmenkonzept, das Hand und Fuß hat. Dabei gehen die Macher nicht blauäugig, sondern wohlüberlegt und strukturiert vor. Immer darauf bedacht, die Bürger zu informieren, sie mitzunehmen.
Das Miteinander trägt erste Früchte. Einwohner signalisieren Unterstützung, Ausschüsse arbeiten und schauen bewusst über den Tellerrand, um etwa funktionierende Dorfläden ausfindig zu machen - es gibt sie tatsächlich, auch in vergleichbar kleinen Orten. Das gibt Hoffnung. Nun gilt es für alle Beteiligten, Ausdauer zu zeigen, zielstrebig zu arbeiten. Dann könnte das Projekt eine Eigendynamik entwickeln, die für positive Überraschungen sorgt. ZZ 17.01.2013