Ungleichgewicht bei Kinderbetreuung als Zankapfel - ZZ 23.11.2013

Ungleichgewicht bei Kinderbetreuung als Zankapfel


Selsingens Samtgemeinde-Bürgermeister beklagt aus dem Ruder laufende Kosten - Rhader Ratsmitglieder reagieren erzürnt
RHADE. „Rhade ist Selsingen ein Dorn im Auge.“ So titelte die Zevener Zeitung - in Anlehnung an Aussagen des Samtgemeinde-Bürgermeisters Hans-Hinrich Pape zum Thema Kita-Entwicklung -am Wochenende. „Da ist mir beinahe die Hutschnur geplatzt und die Kaffeetasse aus der Hand gefallen“, sagt Rhades Bürgermeister Thomas Czekalla. Auch viele andere im Dorf schreckte die Überschrift auf, so fanden sich bei der folgenden Gemeinderatssitzung zahlreiche Bürger als Besucher ein. Ebenso wie der angesprochene Samtgemeinde-Bürgermeister, der sich den Vorwürfen stellte und seinerseits erneut Tacheles redete.
„Auch mir hat die Schlagzeile nicht gefallen, so ist das von mir nie gesagt worden“, erklärte Pape. Darum habe er auch sofort für eine Stellungnahme zur Ratssitzung nach Rhade kommen wollen, offene Worte schätze er. Allerdings, zur Wahrheit gehöre auch die Bestätigung der Artikelinhalte: In punkto Kita-Zukunft der Selsinger Samtgemeinde gelte es durchaus, Tacheles zu reden, insbesondere über sensible Bereiche wie mögliche Ungleichgewichte bei Auslastung und Erzieherstellen. „Die Samtgemeinde ist zuständig und die Kosten laufen uns jetzt schon weg, da muss es legitim sein, nach einer Senkung zu fragen und sich dafür die Belegung anzusehen“, so Pape.
Der Samtgemeinde-Bürgermeister skizzierte anhand der Recherche seiner Mitarbeiter - die nicht im Detail die Zustimmung des Rhader Rates fand - teilweise größere Ungleichgewichte, Während in Selsingen dringend neue Plätze gebraucht würden, stünden beispielsweise in Rhade und Deinstedt Erzieherinnen extrem kleinen Kindergruppen gegenüber, in denen ein Großteil der Kleinen zudem nur wenige Stunden an nur wenigen Tagen zu betreuen seien.
„Soll Selsingen, wo aktuell auf vier aussteigende Kinder 20 Anträge kommen, deshalb für Hunderttausende Euro eine neue Kita bauen oder die Kinder nach Rhade senden, wo eine Auslastung (...) definitiv grad nicht gegeben ist? Das ist nicht vertretbar. Ebenso wenig kann es aber auch sein, dass Deinstedt oder Ostereistedt trotz dünner Belegungsdecke einfach das Kinderbetreuungsangebot weggenommen wird“, so Pape.
Und weiter: „Vielleicht sind Haaßel und Deinstedt für Selsinger Kinder eine Option? Die Ausstattung unserer Kitas ist überall wirklich gut. Auch Rhade habe sich als Standort nie in Frage gestellt, aber es muss erlaubt sein, über die Kostenstruktur zu reden. Auf den Punkt gebracht: Ich stelle erst mal nur Fragen. Aber ganz sicher ist, wir alle werden uns die Zahlen ungeschönt ansehen müssen. In der Sitzung habe ich es vor einer Woche vielleicht etwas überspitzt dargestellt, aber wenn das die Diskussion anregt, ist das gut.“
Die interessierten Rhader Bürger runzelten bei den Ausführungen des Samtgemejnde-Bürgermeisters die Stirn, ließen die Aussagen aber lautlos sacken. Anders die Ratsmitglieder: Neben Bürgermeister Czekalla, der prioritär die Art und Weise der Kommunikation seitens der Samtgemeinde kritisierte und offene Worte auf Augenhöhe einforderte, war Fred Bollmeier sichtlich erzürnt. „Wir sollten uns eigene Leistungen hier in Rhade nicht wegreden lassen, viele Gelder haben wir schließlich selber getragen und werden nicht nur alimentiert. Vor zwei Jahren kam aus Richtung der Samtgemeinde der gleiche Angriff gegen Rhade, nur waren damals angeblich unsere niedrigen Gebühren schuld. Die haben wir angepasst, jetzt kommt die nächste Nummer“, meinte er.
Und auch Ratsmitglied Udo Stuhlemmer machte seinem Ärger Luft: „Ich finde es traurig, dass wir immer über zukunftsfähige Dörfer reden und dann das. Ohne eine ausreichend gute Kinderbetreuung wird es keinen Zuzug jüngerer Leute geben und keiner sein Häuschen auf dem Land bauen.“ (mey)