Thomas Czekalla im Interview mit der ZZ, 23.01.2013

 

Thomas Czekalla im Interview mit der ZZ: „Die Bevölkerung steht dahinter“


Rhade. Die Gemeinde Rhade steht 2013 vor manchen Herausforderungen. Sei es die Reaktion auf das Demografie-Gutachten, die damit einher gehende Zukunft der ehemaligen Gaststätte „Jägerhaus“, sei es der Wirtschaftswegebau oder die Debatte über die teilweise Fremdnutzung gemeindlicher Wegeseitenräume. Bürgermeister Thomas Czekalla nimmt im Interview mit ZZ-Redakteur Lutz Hilken Stellung.

Das Demografiegutachten für die Gemeinde Rhade ist fertig. Welche Erkenntnisse haben Sie daraus gewonnen?

Erkenntnisse haben wir daraus noch nicht gezogen. Zunächst einmal waren wir überrascht, wie viele Menschen das Thema interessiert hat. Der Saal war voll. In vielen anderen Gemeinden war die Resonanz nicht so groß wie bei uns.

Wir befinden uns mitten im demografischen Wandel, das sieht man an den Aktivitäten, die in Bezug auf das ehemalige „Jägerhaus“ entwickelt werden. Wir können uns nicht vor dem Wandel verschließen, müssen aktiv handeln. Das werden wir tun. In welcher Form – da stecken wir noch in den Anfängen.

Die Rede ist unter anderem davon, Spielplätze zusammenzulegen.

Das werden wir prüfen müssen. Wir haben gerade die TÜV-Gutachten für unsere Spielplätze bekommen. Wir investieren in jedem Jahr 2000 bis 3000 Euro in die Spielplätze. Wenn man sieht, wie wenig sie genutzt werden...; denn fast jede Familie mit kleinen Kindern hat Spielgeräte auf dem eigenen Hof stehen. Da müssen wir uns wirklich überlegen, was wir machen. Die ersten Entscheidungen stehen in diesem Jahr an.

Der Demografie-Gutachter appelliert, Bauplätze anzubieten. Die hat Rhade nach wie vor am Rummeldeisbeek...

Wir haben eine gewisse Nachfrage, aber die Bauherren können sich nicht endgültig entschließen. Es ist schwierig. Als wir die Grundstücke seinerzeit geplant hatten, waren Grundstücke mit 600 bis 700 Quadratmetern gefragt, heute sind 1000 bis 1200 Quadratmeter gewollt. Das heißt, bei uns müsste man zwei Bauplätze kaufen. Wir bieten jetzt teilweise an, zwei Flächen zusammenzulegen. Ich hoffe, dass wir in diesem Jahr ein oder zwei Grundstücke verkaufen.

Wie viele Bauplätze hat die Gemeinde aktuell in ihrem Baugebiet anzubieten?

Wir haben noch zwölf Grundstücke. Aber es ist ein schwieriges Geschäft. Viele Leute scheuen vor der Fahrerei nach Zeven oder in andere Orte zurück. Wir sind nun mal ein Dorf, haben noch einigermaßen Infrastruktur. Aber wie sich diese in den nächsten Jahren entwickelt, ist schwer einzuschätzen. Als Gemeinde wollen wir natürlich alles tun, um unsere Infrastruktur beizubehalten.

Ein weiterer Appell des Demografie-Gutachters: Die Gemeinden sollten sich mehr um die Jugend kümmern, damit sie sich mit dem Ort identifizieren. Was könnten Sie sich für Rhade und Rhadereistedt vorstellen?

Wir haben mit der Landjugend gute Kontakte, sind im Gespräch. Die Landjugend trifft bei mir auf offene Türen. Ein Beispiel: Sie schneidet für uns in einigen Straßenzügen die Büsche, dafür bekommt sie eine Entschädigung.

Die Landjugend fährt momentan zwar ein wenig auf Sparflamme, sie ist aber aktiv, nur eben nicht mehr mit einem Erntefest, weil das zuletzt ein Verlustgeschäft gewesen war. Daher muss man verstehen, dass die jungen Leute zur Zeit dazu keine Lust mehr haben.

Könnte die Wiederbelebung des ehemaligen „Jägerhauses“ Ihrer Ansicht nach so etwas wie ein Identifikationsmodell werden?

Ich bin immer noch ein wenig skeptisch, was die Bausubstanz und die Kosten betrifft. Die Gemeinde hat die klare Aussage getroffen, dass sie keine Kosten übernehmen oder das Gebäude betreiben wird. Das müsste sich im Rahmen einer Bürgerinitiative finden. Inwieweit wir dann mit einer Bezuschussung, Übertragung oder ähnlichem arbeiten, steht noch in den Sternen. Zunächst muss ein Konzept ausgearbeitet werden.

Da ist die Bürgerinitiative wirklich gut am Ball und das Interesse in der Bevölkerung ist groß. Ob es am Ende einen Abriss oder Neubau an dieser Stelle geben wird, oder mit den Erkenntnisse der Initiativgruppe an anderer Stelle etwas funktional umzusetzen ist, muss sich zeigen. So weit sind wir noch nicht.

Für wie realistisch halten Sie es, dass die Initiativgruppe ein tragfähiges Konzept für das „Jägerhaus“ finden wird?

Ich bin da ganz optimistisch. Es sind fähige Leute in der Gruppe. Die wissen, worüber sie reden und was eine Substanzsanierung kostet. Denn es ist ja nicht damit getan, drei Fenster auszuwechseln und eine neue Heizung einzubauen. Die Auflagen von Behörden sind nicht unerheblich – gerade, wenn es um öffentliche Gebäude geht.

Es geht auch darum, einen Treffpunkt, ein Geschäft oder mehr Kultur nach Rhade zu holen...

Genau das ist sehr wichtig und spielt mit ins Demografiegutachten hinein. Wir brauchen eigentlich wieder einen Laden hier im Dorf. Auch eine Kommunikationsstätte benötigen wir. Gastronomie gibt es im Moment in Rhade nicht. Das bedeutet: Es muss etwas in dieser Richtung passieren. Die Bevölkerung steht dahinter. Das merkt man und das bereitet mir Freude an der ganzen Sache. Einige Ratsmitglieder haben sich bereit erklärt, in dieser Initiative mitzuarbeiten. So bleiben wir auf dem Laufenden, können unsere Wünsche und Vorstellungen mit einbringen.

Stehen alle Ratsmitglieder komplett hinter der Initiative oder sind einige etwas verhaltener?

Die Ratsmitglieder stehen dahinter. Die Rhadereistedter hinterfragen natürlich, was bei ihnen in Rhadereistedt passiert. Ich glaube aber, man kann das Vorhaben nur als Gemeinde betrachten und nicht als Ortsteil oder Dorf.

Welche größeren Vorhaben sieht die Gemeinde Rhade für 2013 vor?

Das „Jägerhaus“ wird uns das ganze Jahr über begleiten, das ist ganz klar. Wir haben außerdem vor, uns unsere Wegeseitenräume zurück zu holen. In Kürze wird ein Gespräch mit Landwirten stattfinden. Von den 37 Flächen im Ortsteil Rhade werden wir, wenn wir uns einig werden, 25 oder 26 wieder zurückführen.

Manchmal handelt es sich aber um so kleine Flächen, bei denen es sich im Endeffekt ausgleicht. Wir wollen keinen Streit mit den Landwirten, sondern lediglich unsere Flächen zurück haben, um dann gemeinsam mit der Jägerschaft eine Bepflanzung vorzunehmen, mit der alle leben können: Die Landwirte also weiter ihre Felder bewirtschaften können, wir keine großen Folgekosten haben, was die Baum- oder Buschpflege betrifft, und die Jägerschaft vielleicht das Glück hat, dass sich Hase oder Fasan weiter ausbreiten.

So lautet unsere Wunschvorstellung. Wie wir das realisieren, werden wir im Herbst wissen.

Gibt es weitere Pläne?
Was uns Sorgen bereitet, sind nach wie vor unsere Wirtschaftswege. Wir müssen sehen, wie unser Haushalt aussieht. Derzeit haben wir keine klaren Vorstellungen, weil die Zahlen noch nicht vorliegen. Ich hoffe, dass wir genug Geld zur Verfügung haben werden, um die nötigen Maßnahmen an Wirtschaftswegen und Ortsstraßen durchführen zu können. Zum Beispiel an der Bahnhofstraße in Rhadereistedt, vom Schießstand bis zur Industriestraße. Durch den zunehmenden Schwerlastverkehr ist dieser Bereich arg in Mitleidenschaft gezogen worden. Wir sind gerade dabei Ausschreibungen vorzunehmen. Es gibt verschiedene Reparaturmöglichkeiten. Da müssen wir sehen, wie wir mit unserem Geld hinkommen.


Gibt es Neues in Sachen Straßenbeleuchtung?
Die Samtgemeinde hat uns auf einer Bürgermeister-Dienstversammlung Konzepte vorgestellt. Wir haben vor, die Beleuchtung in Rhadereistedt und Rhade auf ein neues System umzustellen. Es gibt zwei Möglichkeiten: Eine Zwischenlösung, die nicht förderfähig ist. Oder komplett auf LED umzustellen, mit Förderung. Auch hier müssen wir sehen, wie hoch die Kosten sind. Da wird sich im Laufe dieses oder Anfang nächsten Jahres etwas tun.


Welche Wünsche haben Sie für 2013?
Dass die Ratsarbeit weiter läuft wie bisher. Es macht wirklich Spaß, mit diesem Gemeinderat zusammen zu arbeiten, weil jeder Verantwortung übernimmt. Das macht einfach Freude. Die Stimmung ist gut.


Zur Person
Thomas Czekalla ist 60 Jahre alt, verheiratet, Vater eines Sohnes und Großvater eines Enkelkindes. Seit 2006 ist der Bürgermeister der Gemeinde Rhade, dem Rat gehört er seit 1981 an. Außerdem ist er seit 1991 Mitglied des Selsinger Samtgemeinderates.

Artikel vom 23.01.13