Schonfrist für „Mäusegruppe" - ZZ 17.12.2014

Schonfrist für „Mäusegruppe"

Kompromiss befürwortet: Rhader Gemeinderat erhöht Kindergartengebühren und senkt Tarif für die Krippe

VON LUTZ HILKEN


RHADE. Der Konflikt um die Zukunft der Rhader Kindergarten-Kleingruppe ist beigelegt. Die „Mäusegruppe" wird vorerst bis Mitte 2016 bestehen bleiben. Das hat der Gemeinderat am Montagabend deutlich gemacht. Zugleich kommt er der Forderung aus Selsingen nach, die Kindergartengebühren auf Samtgemeinde-Niveau zu erhöhen. Im Gegenzug sinken die Krippengebühren in Rhade.
Bürgermeister Thomas Czekalla erinnerte während der Ratssitzung kurz an das Engagement der Eltern für den Erhalt der „Mäusegruppe“ - eine Reaktion, die die Samtgemeinde überrascht und der Gemeinde Rhade den Rücken gestärkt habe.

Auf dem Prüfstand
In einem konstruktiven Gespräch zwischen der Samtgemeinde sowie den Gemeinden Ostereistedt und Rhade seien die Grundzüge der weiteren Kooperation festgelegt worden. Das bedeute für Rhade, dass die „Mäusegruppe“ ein weiteres Jahr bis Mitte 2016 bestehen bleibe. Dann komme der Erhalt der Gruppe erneut auf den Prüfstand. Ihre Zukunft ist abhängig von den Kinderzahlen. Und die werden sinken, „da müssen wir uns nichts vormachen“, prognostizierte der Bürgermeister.
Zur Zeit seien alle 35 Kindergartenplätze in Rhade belegt. 22 der Mädchen und Jungen stammen aus der Gemeinde, die anderen vor allem aus der Nachbargemeinde Ostereistedt. Das sei das Problem, bekannte Thomas Czekalla, weil die dortige Kita nicht ausgelastet sei, obwohl in der Gemeinde Ostereistedt eigentlich genug Kinder wohnen. Daher dränge die Samtgemeinde aus Kostengesichtspunkten auf eine Lösung.
Rhade erhalte von der Samtgemeinde jährlich 80000 Euro für seine Kita. Dabei handele es sich um eine freiwillige Leistung, auf die Rhade nicht - auch nicht teilweise - verzichten könne.

Die Samtgemeinde ihrerseits habe Spielkreise in Kindergärten umgewandelt und die Öffnungszeiten erweitert, was dort binnen Jahresfrist Mehrkosten von rund 300000 Euro verursacht habe. Hinzu komme, dass Rhade die Betreuungszeiten seines eigenen Kindergartens erweitert und in diesem Zuge die Beiträge jedoch nicht auf Samtgemeinde-Niveau angehoben habe.
Rhades Sozialausschussvorsitzender Fred Bollmeier räumte ein, für letztere Regelung habe Rhade „scharfe Kritik“ geerntet. Seinen Worten zufolge habe die Gemeinde „soziale Aspekte vor Augen gehabt“, es sei ihr nicht darum gegangen, mit vergleichsweise günstigen Gebühren Kinder nach Rhade zu locken. Um diesem Vorwurf zu begegnen, wolle Rhade nunmehr die Kindergartengebühr entsprechend erhöhen.

Auf der anderen Seite habe Rhade das Problem, dass die Krippe nicht ausgelastet ist. Hier wolle die Gemeinde Eltern entlasten und die Gebühren senken (Tarife siehe nebenstehenden Artikel).

„Das ist ein Kompromiss, den wir alle tragen können“, warb Fred Bollmeier um Zustimmung. „Und wir gehen dem Vorwurf aus dem Weg, dass wir dem Kindergarten Ostereistedt über die Gebühren Kinder entziehen.“

Ratsherr Walther Viebrock aus Rhadereistedt bekannte: „Der Druck aus Selsingen ist enorm.“ Mit dem jetzigen Kompromiss könne er leben. Thomas Czekalla legte den Eltern aus der Gemeinde Ostereistedt zudem ans Herz, ihre Kinder zukünftig in Ostereistedt anzumelden. Wobei er versicherte: „Wir werden kein Kind rausschmeißen.“ Der Eltemwille habe letztlich Vorrang.

Fred Bollmeier pflichtete ihm bei: „Man muss Ostereistedt verstehen“, und auch die Samtgemeinde, da sie in allen ihren Mitgliedsgemeinden Kitas erhalten wolle. Der Gemeinderat stimmte sodann einstimmig dafür, die Gebühren in Rhade anzupassen.

 

Meine Meinung: LUTZ HILKEN

Gesicht gewahrt

Eine salomonische Lösung, bei der alle Seiten ihr Gesicht wahren: So sieht er aus, der Kompromiss zwischen Samtgemeinde Selsingen und Gemeinde Rhade. Das ist gut so. Denn nun wird sich vor neutralem Hintergrund zeigen, ob Eltern ihre Kinder nur wegen günstigerer Tarife in Rhade angemeldet haben, wie es in Selsingen vermutet wird. Oder ob Anmeldungen aus Nachbargemeinden der Qualität und den Öffnungszeiten in Rhade geschuldet sind - wie Eltern betonen. Die Betreuungsqualität genügt dort hohen Ansprüchen, das ist immer wieder zu hören. Und Qualität setzt sich durch - das ist den Kindern zu wünschen.


Das haben Eltern künftig zu zahlen

RHADE. Der Rhader Gemeinderat hat am Montagabend die Gebühren für den Kindergarten „Rasselbande“ erhöht und zugleich für die Krippe gesenkt. Die Änderungen werden zum neuen Kita-Jahr im Sommer 2015 in Kraft treten.

Das bedeutet für Eltern, dass sie folgendermaßen zur Kasse gebeten werden: Bei einem Jahreseinkommen von mehr als 39000 Euro steigt der maximale Monatsbeitrag von aktuell 205 auf dann 246 Euro. Wer zum Beispiel zwischen 27000 und 30000 Euro im Jahr verdient, zahlt künftig 180 Euro monatlich für sein Kind (bisher 150 Euro). Die zehn Einkommensstufen umfassende Gebührenstaffelung sieht für Einkommen bis zu einer Höhe von 15000 Euro einen Monatsbeitrag von 97,50 Euro statt bisher 81,25 Euro vor.
Bei der Krippenentgeltordnung ändert sich für die wöchentlich dreitägige Betreuung nichts. Wer seine Tochter oder seinen Sohn vier Tage pro Woche unterbringt, zahlt mindestens 85,50 Euro (Einkommen bis 15000 Euro) und maximal 216 Euro (Einkommen von mehr als 39000 Euro).

Fünftägige Betreuung
Die Kosten für eine fünftägige Betreuung in der Krippe sind identisch mit denen im Kindergarten. Eltern zahlen monatlich mindestens 97,50 Euro und maximal 246 Euro. Das erläuterte Sozialaus-schussvorsitzender Fred Bollmei-er während der Ratssitzung. Er betonte: „Den Kompromiss betrachte ich als gutes Angebot, da kann man mit leben.“
Ihren Unmut äußerten manche Zuhörer während der Einwohnerfragestunde, denn Rhade habe „immer seine Hausaufgaben gemacht“, daher solle die Gemeinde sich „nicht unter Wert verkaufen“.

Auch dass Thomas Czekalla auf Drängen der Samtgemeinde ausdrücklich dafür geworben hat, dass Ostereistedter Kinder doch bitte auch dort angemeldet werden sollten, stieß nicht bei allen Bürgern auf Verständnis. „Es gibt gute Gründe, warum Eltern ihre Kinder nach Rhade schicken“, verdeutlichte eine Zuhörerin. (Ih)