"Rhader zeigen Initiative" ZZ 27.09.2012

"Rhader zeigen Initiative" ZZ 27.09.2012

Ihnen ist daran gelegen, alle interessierten Bürger mit in das Projekt einzubeziehen:Rolf Heinz, Dieter Spreckels und Horst Schäfer (von links). „Niemand soll sich ausgeschlossen fühlen“, betont Horst Schäfer.

 

 

 

 

 

 

 

Rhader zeigen Initiative

Rhadereistedt. Der Abriss des ehemaligen Gasthauses Rudnick in Rhade ist vorerst abgewendet. Eine Gruppe von Einwohnern überzeugte die Gemeinde von der Idee, ein Konzept für das im Ortskern stehende Gebäude entwickeln zu wollen. Dass die Zukunft der Immobilie viele Menschen bewegt, das zeigte sich am Dienstagabend bei der Bürgerversammlung, die im Rhadereistedter „Gasthof Mohrmann“ stattfand. Von Lutz Hilken

„Wir sind überrascht“, bekannte Bürgermeister Thomas Czekalla angesichts des vollen Saals. Vielen Bürgern liege das ehemalige „Jägerhaus“ offenbar am Herzen. Die Gemeinde, die das Gebäude im Zuge einer Zwangsversteigerung erworben hat und eigentlich abreißen lassen wollte, werde dies nicht über die Köpfe der Bevölkerung hinweg entscheiden. Bei der Versammlung gehe es darum, Vorschläge für eine weitere Nutzung zu äußern, über die der Rat dann sprechen könne. Die Gemeinde selbst werde nicht als Investor oder Betreiber auftreten.

Der Bürgermeister informierte die Einwohner sodann über den aktuellen Zustand des Gebäudes und zeigte entsprechende Innen- und Außenaufnahmen. Das leerstehende Wohnhaus mit Gaststätte, Kegelbahn und Saal stehe auf einem 1934 Quadratmeter großen Grundstück, sei geschätzt Mitte des vergangenen Jahrhunderts gebaut worden. Die Brutto-Grundfläche der Immobilie betrage 1077 Quadratmeter.

Der Unterhaltungszustand des Gebäudes sei insgesamt eher schlecht, bedürfe einer grundlegenden Sanierung, die Ölzentralheizung stamme aus dem Jahr 1969, der Wärmeschutz entspreche nicht heutigen Standards, in Teilbereichen sei Feuchtigkeit eingedrungen, das Dach indes mache, soweit einsehbar, einen guten Eindruck. So zitierte der Bürgermeister einen Bauexperten, wonach die Immobilie für ihr Baujahr in Ordnung sei, jedoch im jetzigen Zustand nicht mehr nutzbar. Die Reparaturkosten betrügen zwischen 100 000 und einer Million Euro, „je nachdem, was man damit machen will“.

Das schreckt die Bürger Gerda und Rolf Heinz, Karin und Horst Schäfer sowie Ilse Halupzok und Dieter Spreckels nicht ab, in deren Namen Rolf Heinz den Vorschlag unterbreitete, das ehemalige Gaststättengebäude für die Dorfbevölkerung zu nutzen (siehe nebenstehenden Artikel). In welcher Form, das müsse ein noch gemeinsam zu entwickelndes Gesamtkonzept ergeben.

Tragfähiges Konzept
„Das ist das, was wir hören wollten“, versicherte Thomas Czekalla den Bürgern, die Initiative zeigen. Die notwendige Zeit, um ein tragfähiges Konzept zu erarbeiten, sagte er den Initiatoren zu. Jetzt gelte es, das der Gemeinde gehörende Gebäude zunächst „über den Winter zu bringen“.


Bislang gebe es keine Pläne für die Gestaltung des Ortskerns, betonte der Bürgermeister auf Anfrage aus der Versammlung. Zumal unsicher sei, was in Zukunft mit Gebäuden rund um das ehemalige „Jägerhaus“ passiere.

Die Nachricht, dass der Abriss 35 000 bis 40 000 Euro kosten würde, veranlasste Zuhörer zu der Frage, ob diese Summe nicht auch in die Sanierung des Gebäudes einfließen könne. Hier hielt sich Czekalla zurück: Wenn das Konzept für eine weitere Nutzung stimmig sei, dann müsse der Gemeinderat darüber beraten.

Manche Bürger gingen bereits einen Schritt weiter, zeigten Tatendrang und äußerten Ideen, etwa das Betreiben eines Ladens, oder schlugen vor, die Einwohner mögen sich finanziell an der Sanierung beteiligen, schließlich profitierten sie auch davon.

Doch es gab auch Skeptiker. Angesichts der Information, dass zwar das Dach in Ordnung, der Rest des Gebäudes indes sanierungsbedürftig sei, fragte der Rhader Hans-Wilhelm Schröder, ob man es nicht doch lieber abreißen solle. Ansonsten sehe er die Gemeinde in der Pflicht, Rückstellungen zu bilden und sich nicht allein auf die Bürger zu verlassen.

Ratsherr Uwe Schmidt aus Rhadereistedt unkte, eine Wiederzulassung der Immobilie als öffentliche Einrichtung könne schwierig werden und verwies auf strenge behördliche Auflagen sowie zudem fehlende Parkplätze am „Jägerhaus“. Er plädierte dafür, all diese Dinge erst zu klären.

Das rief seinen Ratskollegen Fred Bollmeier aus Rhade auf den Plan, der dagegen hielt: „Es lassen sich viele Gründe finden, das Ding nicht anzupacken. Aber versuchen sollten wir es. Wenn‘s nicht klappt, haben wir es wenigstens versucht.“

Das bestätigte Thomas Czekalla: „Wenn sich herausstellt, dass es sich nicht lohnt, kann man immer noch abreißen.“ Er lobte die Initiative der Bürger und befand, dem Dorf könne nichts Besseres passieren. Schon am 1. Oktober, so einigten sich die Kommunalpolitiker nach der Versammlung, soll das Thema Bürgervorschlag im Rat auf den Tisch kommen. ZZ Artikel vom 27.09.12