Radikalkur am Wegesrand - ZZ 12.03.2014

 

Radikalkur am Wegesrand
Bürger und Ratsherren äußern sich empört über extremen Kahlschlag in der Gemarkung Rhade
VON LUTZ HILKEN

RHADE. Der Rhader Ratsherr Bernd Sauerland ist empört. Er ist Anlieger der Straße Zum Königsmoor und traute seinen Augen kaum, als er den in die Gemarkung führenden Weg nach dem Rückschnitt von Bäumen und Sträuchern sah. „Das hat mit ,Auf-den-Stock-setzen' nichts zu tun - das ist eine Radikalkur", machte er seinem Unmut am Montagabend im Gemeinderat Luft.



War war passiert? Wie in jedem Jahr werden am Wegesrand Bäume und Sträucher gestutzt, die den Verkehr oder das Sichtprofil stören könnten. Die Gemeinde ist Auftraggeber an ihren öffentlichen Wegen. Schon in den Vorjahren waren vereinzelt Stimmen laut geworden, dass der Rückschnitt nach dem Eindruck mancher Bürger zu forsch angegangen worden sei. Jedes Mal hörten sie das Gegenargument, dass sich das Grün nach dem Schnitt schnell erholt.
Doch diesmal sprechen Bürger von einem Kahlschlag, der sie verärgert, was sie während der Gemeinderatssitzung am Montagabend deutlich zum Ausdruck brachten. Als „schockiert und traurig“ wertete eine Einwohnerin das Vorgehen während einer Sitzungsunterbrechung. Die Natur als Lebensraum scheine überhaupt keinen Wert mehr zu haben. Dass der Rückschnitt erforderlich ist, sei keine Frage. Das Wie jedoch sei empörend.

Keine Notwendigkeit

Eine weitere Bürgerin verstand ihren Worten zufolge nicht, „dass jeder Busch, jeder Strauch abgemacht wurde“. Ihr Eindruck: Der Kahlschlag werde von Jahr zu Jahr schlimmer. Das derart gestutzte Grün wachse nicht mehr nach. „Man hat ja schon Angst vorm nächsten Jahr.“ Ein weiterer Bürger stieß ins gleiche Horn: Die Landschaft verarme angesichts solcher Machenschaften.
Ratsherr Bernd Sauerland beklagte, es habe überhaupt keine Notwendigkeit für einen derartigen Kahlschlag bestanden. Anhand von Fotos dokumentierte er den Zustand des Weges vor und nach dem Rückschnitt, der viel zu extrem und zum Teil auch unprofessionell vonstatten gegangen sei, indem kräftige Äste unsauber abgesägt, zudem Fliederbeer- und Brombeersträuchers radikal entfernt worden seien. Und das in Zeiten, in denen sich die Gemeinde im Zuge der geplanten Verbunddorferneuerung über ihre Stärken und Schwächen Gedanken mache, zusätzliches Grün als ein Ziel ausgemacht wurde, Wegeseitenränder eigentlich bepflanzt würden. Im krassen Widerspruch dazu sei die Landschaft jetzt regelrecht leergeräumt worden. Was fatalerweise von einzelnen Landwirten offenbar als Startsignal gesehen wurde, ebenso radikal wie die Gemeinde zu handeln, monierte Sauerland.

Sein Ratskollege Helmut Plötz beantragte eine Sondersitzung des Gemeinderates, um ein Konzept zu entwickeln und das künftige Vorgehen festzulegen sowie eine fachliche Begleitung des Rückschnitts zu gewährleisten. Denn: „Es ist viel zu viel abgemacht worden, das wäre nicht nötig gewesen.“
Bürgermeister Thomas Czekalla verwies auf die Verkehrssicherungspflicht der Gemeinde, räumte aber ein, dass der Rückschnitt „an einigen Stellen nicht in Ordnung“ sei. Er habe über die zurückzuschneidenden Bereiche gesprochen, nicht aber über die Art und Weise des Vorgehens, gestand er selbstkritisch. Er habe nicht daneben gestanden. „Mir tut es leid, was da passiert ist“, leider lasse es sich nicht mehr ändern. So einigte sich der Rat darauf, sich während einer weiteren Sitzung speziell mit dem Thema Rückschnitt zu befassen und im Sommer die Bereiche in Augenschein zu nehmen und festzulegen, die es Anfang kommenden Jahres zu beschneiden gilt. ZZ 12.03.2014