Miteinander ist Kernelement - ZZ 18.01.2014

Miteinander ist Kernelement - ZZ 18.01.2014

 

Miteinander ist Kernelement

Gemeinden Ostereistedt, Rhade und Seedorf streben gemeinsame Aufnahme in die Dorferneuerung an
VON LUTZ HILKEN

ROCKSTEDT. Das ist nicht die Regel: Rund 150 Einwohner aus sechs Dörfern trafen sich am Donnerstagabend zu einer Bürgerversammlung in Rock-stedt. Die Gemeinden Ostereistedt, Rhade und Seedorf hatten dazu eingeladen, denn gemeinsam streben sie die Aufnahme in das Dorferneue-rungsprogramm des Landes an. Welchen Sinn dies hat und wie die Bürger sich einbringen können, das erfuhren sie von mehreren Experten.
„Dass ihr hier seid ist ein Zeichen, dass ihr euch mit eurem Dorf verbunden fühlt, Interesse habt“, sagte Ostereistedts Bürgermeisterin Ulrike Ringen im Namen aller Gastgeber. Der Selsinger Samtgemeindebürgermeister Hans-Hinrich Pape verwies auf die Dorferneuerung in den fünf Nordgemeinden Selsingen, Sandbostel, Farven, Deinstedt und Änderungen sowie zusätzlich die Verbunddorferneuerung. „Das ist ein voller Erfolg gewesen“, viele Projekte seien umgesetzt worden.

Ortsentwicklung vorantreiben
Die Förderung für einzelne Projekte des Nordverbundes sei sogar bis 2015 verlängert worden. Er freue sich, dass jetzt auch die drei Südgemeinden Ostereistedt, Rhade und Seedorf gemeinsam diesen Weg gehen wollen. Dezernatsleiter Siegfried Dierken vom niedersächsischen Amt für Landentwicklung in Verden sieht in den Südgemeinden den Willen, „sich um die weitere Entwicklung der Orte Gedanken zu machen“ und nannte als ein Beispiel das geplante Dorftreff-Projekt in Rhade.


Für die nun angestrebte Dorferneuerung gehe es darum, die Bevölkerung mitzunehmen. Siegfried Dierken versicherte, dass es sich lohne, sich zu engagieren. Sehr deutlich skizzierte er, dass sich die Welt verändere und dass es in vielerlei Hinsicht gelte, darauf zu reagieren, „um als Ortschaft lebenswert zu sein“, sei es als Wohn-, Arbeits-, Sozial- oder Wirtschaftsraum. Das Wissen liege bei den Bürgern, sie könnten die Situation in ihren Dörfern am besten einschätzen.
Persönliches und Vereinsengagement seien wichtig. Die Initiative „Aktives Deinstedt“ nannte er als ein Vorbild. Auch der Umbau der „Alten Schmiede“ in Malstedt sei ein „Paradebeispiel“ dafür, was sich in Gemeinschaftsinititiative aus Gebäuden machen ließe.


Die Bürger müssten sich mit der Dorferneuerung identifizieren, das Programm leben. „Sie brauchen Menschen, die sich einbringen“, appellierte Siegfried Dierken. „Das soziale Miteinander ist ein Kernelement“, unterstrich der Experte und appellierte, alle Generationen in die Ortsentwicklung einzubinden. „Dieses Programm zwingt Sie nicht, sondern Sie haben es in der Hand“, so Dierken. 
Es gehe darum, nicht nur für heute und morgen, sondern auch für übermorgen zu denken. Sich mit dem Vorgutachten für die Dorferneuerung gemeinschaftlich so zu positionieren, dass die Chancen für eine Aufnahme ins Dorferneuerungsprogramm steigen, stehe jetzt im Mittelpunkt.


Landschaftsarchitekt Andreas Ackermann unterstützt die Gemeinden bei dem Vorhaben. Er will Stärken und Schwächen der einzelnen Orte benannt wissen, zeigte die bereits bestehende Vernetzung der Orte auf, präsentierte Bilder aus den Dörfern, die Landwirtschaft, Infrastruktur, Ortsmitten, Energienetze oder Leerstände betreffend, und ist gespannt auf Problemfelder und mögliche Lösungswege.


Zum Abschluss der Versammlung trugen sich 23 Bürger aus allen sechs Dörfern als Teilnehmer für einen überörtlichen Arbeitskreis ein. Ideenwerkstätten in den einzelnen Gemeinden sind am 7. Februar (Seedorf), 14. Februar (Rhade) und 15. Februar (Ostereistedt) vorgesehen.


Lutz Hilken - Meine Meinung: Ermutigender Auftakt
Darauf lässt sich aufbauen: Nachdem zunächst auf politischer Ebene sehr kurzfristig vereinbart worden ivar, sich um eine Aufnahme der drei Südgemeinden in die Verbunddorferneuerung zu bemühen, liegt es jetzt an den Bürgern, ob sie diesem Gedanken überhaupt folgen mögen. Sie tun es. Das jedenfalls signalisiert die recht große Beteiligung an der Versammlung. Das ist gut so, denn in immer mehr Orten setzt sich offenbar das Bewusstsein durch, die Zukunft des Heimatdorfes besser aktiv und gemeinsam zu gestalten anstatt die Hände in den Schoß zu legen und abzuwarten, was die demografische Entwicklung und sonstige gesellschaftliche Veränderungen in den nächsten Jahrzehnten anrichten werden. Jetzt zu handeln bietet die Chance, Perspektiven für lebenswerte Dörfer zu entwickeln. Ein Ziel, für das es sich das Mitmachen lohnt. ZZ 18.01.2014