Kampf für die „Mäusegruppe“ - ZZ 31.10.2014

Kampf für die „Mäusegruppe“ - ZZ 31.10.2014

 

 

Kampf für die „Mäusegruppe“


Eltern von Rhader Kindergartenkindern überreichen Liste mit Unterschriften und Argumenten in Selsingen


VON LUTZ HILKEN



SELSINGEN. Die „Mäusegruppe" des Rhader Kindergartens soll erhalten bleiben. Dafür setzen sich die Eltern von in Rhade betreuten Kindern ein. Mit Plakaten sowie einer Liste mit 194 Unterschriften und zahlreichen Argumenten suchten Eltern und Kinder gestern unangekündigt das Sel-singer Rathaus auf, um ihr Anliegen vorzutragen.
„Wir fühlen uns hier wohl und so soll es bleiben, wir lassen uns nicht vertreiben“, stand auf einem der vielen Plakate zu lesen, die die Gruppe im Rathaus präsentierte. „Wahlfreiheit bei der Kita-Auswahl“ fordert sie auf einem anderen Banner.
Hintergrund: Die Samtgemeinde Selsingen möchte in jeder ihrer Mitgliedsgemeinden eine Kindertagesstätte erhalten. Der Kindergarten in Ostereistedt indes ist nicht ausgelastet, während in der Nachbargemeinde Rhade neben Krippe und Regelgruppe eine zusätzliche Kleingruppe für zehn Mädchen und Jungen existiert, die „Mäusegruppe“.
Das liegt unter anderem daran, dass viele Eltern aus Rockstedt und Ostereistedt ihren Nachwuchs nicht in ihrer Heimatgemeinde Ostereistedt, sondern in Rhade angemeldet haben. In der Samtgemeinde wächst nun der politische und finanzielle Druck auf die Gemeinde Rhade. Zwischen den Zeilen wird deutlich: Rhade möge über den Erhalt der Kleingruppe kritisch nachdenken und die Kinder aus Rockstedt und Ostereistedt in ihrer Heimatgemeinde betreuen lassen. Den Hebel setzt die Samtgemeinde bei der Zuschussregelung für Rhade an, die aktuell zur Debatte steht (ZZ berichtete).

Eltern äußern ihre Meinung
Die drohende Schließung wollen sich die Eltern nicht gefallen lassen. Die Öffnungszeiten der Kita in Rhade, die angeschlossene Krippe, die gute Betreuung: Vieles spreche in den Augen der Erziehungsberechtigten dafür, ihre Söhne und Töchter eben in Rhade und nicht in Ostereistedt betreuen zu lassen, das erwähnten sie bereits während der jüngsten Sozialausschusssitzung. Gestern
Vormittag bekräftigten sie ihre Ansicht, kamen mit Bannern und Plakaten ins Rathaus. Motto: „Nix aus die Maus“.
Heiko Oetjen aus Rockstedt überreichte Gerhard Kahrs, dem Verwaltüngsvertreter des Samtge-meindebürgermeisters, die Listen mit Unterschriften und Argumenten. „Unsere Kinder gehen gerne in die Mäusegruppe und sie möchten es auch weiterhin tun“, sagte Heiko Oetjen. Zudem forderte er im Namen der Eltern, „dass die Kinder aus Rockstedt und Ostereistedt, die in der Krippe sind, auch weiterhin einen Platz im Kindergarten haben“.
Der von der Aktion überraschte Gerhard Kahrs änahm die Listen entgegen und versprach, sie entsprechend weiterzuleiten. Er zeigte Verständnis für die Aktion, betonte zugleich, dass die „Mäusegruppe“ eine Einrichtung der Gemeinde Rhade ist und die Samtgemeinde nicht anordnen könne, die Gruppe zu schließen.
Der Rhader Gemeindebürgermeister Thomas Czekalla sagte gestern auf Anfrage der ZZ, es sei ein Gespräch anberaumt zwischen Vertretern der Samtgemeinde und sowie den Gemeinden Rhade und Ostereistedt. „Wir wollen eine Lösung suchen, mit der alle leben können“, versicherte er. Wobei er einräumte: „Das wird nicht einfach.“
Streiche Selsingen die Zuschüsse für die „Mäusegruppe“, dann werde Rhade es schwer haben, die Kleingruppe zu erhalten. Die Eltern jedenfalls kämpfen mit Leidenschaft: „Zuschüsse hin oder her, die Mäusegruppe geben wir nicht her“, betonten sie.


Zum Thema
Eine Auswahl der Argumente, die aus der Sicht von (berufstätigen) Eltern für die Rhader Kita sprechen: Die Kombination aus Regelgruppe und Krippe, die Eingewöhnung in den Kita-Alltag für drei-bis vierjährige Kinder in einer Kleingruppe, die Öffnungszeiten mit Früh-, Spätdienst und Mittagessen, die Zusammenarbeit mit der Grundschule Rhade, gruppenübergreifende Projekte, Geschwisterkinder können in verschiedenen Gruppen betreut werden, kompetentes Personal. ZZ 31.10.2014