Kahlschlag soll es nicht mehr geben - ZZ 23.05.2014

 

Kahlschlag soll es nicht mehr geben


Nach Protest aus der Bevölkerung: Rhader Gemeinderat befürwortet einstimmig zukünftiges Vorgehen bei Baum- und Strauchschnitt


RHADE. Die Empörung war groß, mehrere Bürger betrachteten den jüngsten Baum- und Strauchschnitt in Rhade geradezu als Kahlschlag. Das soll nicht wieder Vorkommen. Der Gemeinderat hat auf die Proteste reagiert, verabschiedete jetzt klare Regeln, wie zukünftig bei derlei Aktionen vorzugehen ist.
Danach ist sämtliches Entfernen von Büschen, Ästen und Bäumen an Gemeindegrundstücken und Wegen untersagt. Sollten Schnittmaßnahmen erforderlich sein, seien diese von Anliegern anzumelden, damit eine Besichtigung mit den Antragstellern vorgenommen werden kann.
Wie Ratsherr Helmut Plötz erläuterte, gehöre es zu den Zielen, Bäume, Sträucher, Büsche, Hecken und schmale Gehölzstreifen zu erhalten und auf möglichst allen Gemeindeflächen neu anzulegen - vorausgesetzt, die Verkehrssicherheit bleibt gewährleistet.

Das Grundprinzip
Als Grundprinzip gelte, die Bepflanzungen unten dicht zu halten und oben für Lichtdurchlässigkeit zu sorgen, damit etwa Wege abtrocknen könnten. „Es werden keine flächendeckenden Baum- und Strauchschnittaktio-nen durchgeführt“, verdeutlichte Helmut Plötz, sondern es werde in Etappen vorgegangen.
Zudem dürften nur Bäume, Baumteile und größere Äste abgesägt werden, die zuvor vom Bau- und Wegeausschuss markiert worden sind. Das „Auf-den-Stock-Setzen“ von Sträuchern und Büschen solle nur in begründeten Fällen in Teilbereichen, also versetzt, und nach Beschluss des Ausschusses erfolgen, „um nicht alles platt zu machen“, wie der Ratsherr verdeutlichte.
Größere Maßnahmen sollten in ihrem Umfang genau beschrieben und dem gesamten Rat zur Ansicht schriftlich vorgelegt werden, damit darüber beraten und beschlossen werden könne. Anwohner und Grundstückseigentümer sollten in unklaren Fällen mit einbezogen werden. Das Holz, das bei Gemeindearbeiten anfalle, solle in öffentlichen Auktionen versteigert werden.
Vorgesehen ist zukünftig, bei den Bereisungen des Wegeausschusses im Herbst und Frühjahr alle Anträge und Maßnahmen zu begutachten, zu besprechen und schriftlich festzuhalten. Beschließe der Rat die empfohlenen Maßnahmen, könne der Bürgermeister die Aufträge zum Baum- und Strauchschnitt sowie für Neuanpflanzungen erteilen.
In Ausnahmefällen könne Anwohnern die Genehmigung erteilt werden, einen Schnitt in Eigene gie vorzunehmen. Vorausgesetzt, der Ausschuss hat die Aktion genehmigt. Mindestens drei Mitglieder des Wegeausschusses sollen die Holzfäller einweisen und die Arbeiten beaufsichtigen. VON LUTZ HILKEN, ZZ 23.05.2014

 

Hier die beschlossene neue Baumschnittsatzung:

Baum- und Strauchschnitt
Baum- und Strauchschnitt an Gemeindegrenzen: Beschluss vom 25.06.2009: Künftig ist sämtliches Entfernen von Büschen, Ästen und Bäumen an Gemeindegrundstücken und Wegen untersagt. Sollten Maßnahmen erforderlich sein, sind diese von den Anliegern rechtzeitig (zum 15.11. und 15.01. jeden Jahres) anzumelden, damit eine Begutachtung/ Besichtigung mit den Antragstellern vorgenommen werden kann. Der Bau- und Wegeausschuss wird dann vor Ort, die verbindlichen Entscheidungen treffen. Zuwiderhandlungen werden, ggf. strafrechtlich verfolgt.

Ziele:
- Bäume, Sträucher, Büsche, Hecken und schmale Gehölzstreifen bleiben erhalten und werden auf möglichst allen Gemeindeflächen neu angelegt. Voraussetzung ist, die Verkehrssicherheit bleibt erhalten.
- Als Grundprinzipien gelten: UNTEN DICHT – OBEN LICHT oder LICHT, LUFT und SONNE
- Es werden keine flächendeckenden Baum- und Strauchschnittaktionen durchgeführt.
- In gezielten Aktionen wird mit korrigierenden Maßnahmen ein Ast- oder Baumschnitt durchgeführt.
- Es dürfen nur Bäume, Baumteile und größere Äste abgesägt werden, die vorher von BWA markiert wurden.
- Das “Auf- den- Stock- setzen“ von Sträuchern und Büschen findet nur in begründeten Fällen in Teilbereichen und nach Beschluss des BWA statt.
- Größere Maßnahmen werden in ihrem Umfang genau beschrieben und dem gesamten Rat zur Ansicht schriftlich vorgelegt, beraten und beschlossen. Anwohner und Grundstückseigentümer werden in unklaren Fällen mit einbezogen.
- Allen Mitgliedern des BWA stehen bei Bedarf Karten mit den genauen Grenzverläufen der Gemeindeflächen zur Verfügung.
- In jedem Haushaltsjahr werden Haushaltsmittel für den Baum- und Strauchschnitt und für Neuanpflanzungen bereitgestellt.
- Baumstämme und dicke Äste die durch die Gemeindearbeiten anfallen, sollen in öffentlichen Holzauktionen versteigert werden.

Durchführung:
- Bei den Wegebereisungen des BWA im Herbst und im Frühjahr, werden alle Anträge und notwendigen Maßnahmen begutachtet, besprochen und schriftlich festgehalten. Zu fällende Bäume, Baumteile und dicke Äste werden markiert. Flächen, die sich für Baum- oder Strauchanpflanzungen eignen, werden in einer Flurkarte eingezeichnet.
Das schriftliche Protokoll der Bereisung geht an alle Gemeinderatsmitglieder. Beschließt der Rat die empfohlenen Maßnahmen, kann der Bürgermeister die Aufträge zum Baum- und Strauchschnitt und für Neuanpflanzungen erteilen.
- Mit der Ausführung der beschlossenen Maßnahmen werden nur Angestellte der Gemeinde, die Feuerwehr oder die Landjugend beauftragt. Ist dies nicht möglich, werden Angebote von entsprechenden Fachbetrieben eingeholt und diese damit beauftragt, die Maßnahme durchzuführen.
- In Ausnahmefällen kann einem Anwohner die Genehmigung erteilt werden, einen Baum- oder Strauchschnitt in Eigenregie durchzuführen. Voraussetzung dafür ist, dass der BWA die Aktion genehmigt hat und dass sämtliches anfallendes Holz, Geäst und Buschwerk beseitigt wird.
- Der Termin für den Baum- und Strauchschnitt, zwischen dem 30. Sept. und dem 1.März, ist den Mitgliedern des BWA rechtzeitig (2 Wo) mitzuteilen. Mindestens 3 Mitglieder des BWA sollen die Holzfäller entsprechend dem Protokoll einweisen und die Arbeiten beaufsichtigen.