Hilfe für Flüchtlinge im Blick - ZZ 14.10.2015

Hilfe für Flüchtlinge im Blick - ZZ 14.10.2015

Hilfe für Flüchtlinge im Blick

Runder Tisch Asyl in Rhade: Ideen für Deutschunterricht, Transport und Freizeitmöglichkeiten gesammelt

VON LUTZ HILKEN

 

RHADE. Einwohner aus Rhade und Rhadereistedt bieten ihre Hilfe an, um den zu erwartenden weiteren Flüchtlingen wohlwollend zur Seite zu stehen. Beim Runden Tisch Asyl am Montagabend im Gemeindehaus berieten knapp zwei Dutzend Bürger, wie die Unterstützung vernetzt und Aufgaben koordiniert werden könnten. In Arbeitsgruppen sammelten sie Ideen für Sprachunterricht, Transport und Freizeitangebote.
Alles ist im Fluss, die Flüchtlingszahlen steigen weiter. Wann das für die Unterbringung ins Auge gefasste Rhader Hotel im Ortskern mit bis zu 30 Menschen belegt wird, ist derzeit noch unklar.
Neu ist, wie Ordnungsamtslei-terin Antje Voß von der Samtgemeinde berichtete, dass nun nicht mehr unbedingt Personen aus Balkanstaaten zu erwarten sind. Vielmehr bemühe sie sich vor allem um syrische Kleinfamilien. Letztlich, auch das stellte sie klar, habe die Samtgemeinde aber kaum Einfluss darauf, wer der Kommune zugewiesen wird.
Die bisher bis Januar 2016 geltende Quote von weiteren 48 auf-zunehmenden Flüchtlingen in der Samtgemeinde muss nunmehr bereits bis Ende November dieses Jahres erfüllt werden. Das bedeutet, dass die Aufnahmequote weiter steigt.Samtgemeindebürgermeister Hans-Hinrich Pape dankte dafür, dass deutlich mehr als die sieben Bürger gekommen sind, die sich ursprünglich für den Runden Tisch angemeldet hatten. „Wir können Gott sei Dank auf eine Menge freiwilliger Helfer zurückgreifen“, machte er grundsätzlich die Bedeutung der Ehrenamtlichen klar. Da in Rhade ein Hotel mit Flüchtlingen belegt werden soll, aber generell die Zahl der Asylsuchenden weiter steigt, sei mittlerweile im Gespräch, zusätzlich eine Art Hausmeister für Rhade vorzusehen. Wie das konkret zu verstehen ist, auch das ist noch unklar. Nur: „Wir* müssen etwas tun“, betonte Pape, und das gilt auf vielen Ebenen.
„Dreh- und Angelpunkt ist die Sprache“, darin waren sich am Montagabend alle einig. Darum hat sich die Samtgemeinde vorsorglich darum gekümmert, dass über die ABS ab Anfang November zweimal wöchentlich jeweils 90 Minuten Deutschunterricht in dem Hotel gegeben wird - bis Anfang Dezember. Auch wenn aktuell noch nicht klar ist, ob Anfang November überhaupt schon Flüchtlinge in dem Gebäude untergebracht sein werden.
Angesichts des Auftaktangebotes beriet eine Arbeitsgruppe, wie weitere Deutschkenntnisse vermittelt werden könnten. So soll Kontakt mit der Dozentin aufgenommen werden, um eventuell Lücken zu füllen, ergänzend tätig zu werden. So hält es die Gruppe für sinnvoll, zum Beispiel an praktischen Beispielen beim Einkauf oder Gang in der Natur Begriffe zu üben. Auch solle zentral eine Art Stundenplan oder Plakat darauf hinweisen, welches Angebot wann und wo für Flüchtlinge besteht.

Keine Rundum-Versorgung
Einig war sich der Runde Tisch auch darin, den Menschen Hilfe zur Selbsthilfe geben zu wollen, nicht aber eine Rundum-Versor-gung. Vor diesem Hintergrund schlug eine von Pastor Andreas Beneke moderierte Arbeitsgruppe vor, für regelmäßige Fahrten wie etwa zur Tafel in Zeven einen Bus zu organisieren, der zweimal wöchentlich fährt - bei Bedarf über Selsingen. Nun soll das Gespräch mit Anbietern gesucht werden. Davon losgelöst werden weiter Freiwillige für gesonderte Fahrten gesucht. Aus den Reihen der Teilnehmer gab es vereinzelt Angebote, auch ein privater Transporter darf genutzt werden.
In Sachen Freizeitgestaltung kamen Vorschläge zur Sprache, etwa mit dem TSV zu klären, ob es Sportangebote für Flüchtlinge wie etwa Fußball oder Kinderturnen geben könnte. Generell kann sich die Gruppe auch vorstellen, zum Wandern, Fahrradfahren, Basteln oder Nähen einzuladen. Letztlich gehe es darum, einander kennen zu lernen. Weitere Vorschläge: Backen im Steinbackofen, Garten der Kulturen, das Arbeiten mit Holz, die Teilnahme am Dorfputz und mehr.
Kontakt mit dem Helferkreis in Selsingen zu pflegen, sei ebenfalls sinnvoll, schließlich müsse das Rad nicht neu erfunden werden, warb Antje Voß für Kommunikation und Austausch. Hilfreich fänden alle Beteiligten überdies, wenn sich weitere Interessierte melden. Antje Voß betonte: „Helfer bieten nur das an, was sie leisten können und lassen sich nicht vereinnahmen.“ Sie verwies auf einen Kurs für ehrenamtliche Asylbegleiter (siehe Kasten).

Basisiworkshop für Flüchtlingsarbeit im Ehrenamt
Der Landkreis Rotenburg bietet Kurz-Workshops zur ehrenamtlichen Flüchtlings- und Asylarbeit an. Zielgruppe sind Personen, die ehrenamtlich in der Flüchtlings- und Asylarbeit tätig sind oder in Zukunft sein wollen, aber noch keinen Asylbegleiterkurs absolviert haben. Die zweistündigen Workshops vermitteln in komprimierter Form ein grundsätzliches Verständnis der Situation, der Perspektiven und der rechtlichen Rahmenbedingungen von Flüchtlingen und Asylbewerbern. Der Workshop informiert über Engagementmöglichkeiten, den Versicherungsschutz und sensibilisiert für die Rolle als „Begleiter auf Zeit". Referenten sind Gerd Hachmöller, Leiter der Stabsstelle Kreisentwicklung, sowie Sandra Pragmann von der Koordinierungsstelle Ehrenamt. Eine An meldung ist nicht erforderlich. Stattfinden wird der Workshop am Donnerstag, 3. Dezember, von 16 bis 18 Uhr im Selsinger Rathaus. Themen: Zahlen und Fakten, Herkunftsländer und Bleibeperspektive; rechtliche Rahmenbedingungen, Zuständigkeiten und Verfahrensabläufe; die Rolle eines Asylbegleiters; Eh renamt: Versicherung, Vernetzung, Engagementmöglichkeiten. Nähere Info: gerd.hachmoeller@lk-row.de oder & 04261/983-2850. ZZ 14.10.2015