Gemeinde Rhade will Volksbank-Gebäude kaufen - ZZ 11.09.2015

Gemeinde Rhade will Volksbank-Gebäude kaufen - ZZ 11.09.2015

 

Neue Pläne für den Dorfladen

Gemeinde Rhade will Volksbank-Gebäude kaufen - Geldinstitut bleibt als Mieter vor Ort

VON LUTZ HILKEN



RHADE. Überraschende Wende: Der Rhader Dorfladen soll nicht mehr im ehemaligen „Jägerhaus" eingerichtet werden. Als neuer Standort ist das benachbarte Volksbank-Gebäude vorgesehen. Die Gemeinde möchtp die Geschäftsstelle kaufen. Das Geldinstitut selbst will dort ab dem 1. April 2016 als Mieter und auf reduzierter Fläche vor Ort bleiben. Der Mietvertrag läuft über fünf Jahre.
Seit geraumer Zeit sind Rhader Bürger in Kooperation mit dem Gemeinderat damit befasst, im Rhader Ortskem einen Treffpunkt mit Dorfladen zu schaffen. Nun ist den Beteiligten der Zufall zu Hilfe gekommen. Denn zwischen dem früheren Gasthaus und der Rhader Geschäftsstelle der Zevener Volksbank befindet sich ein Weg, an dem das Bankhaus Rechte hat. Als die Gemeinde sich um den Erwerb des Weges bemühte, habe der Volksbank-Vorstand die Frage gestellt: „Warum nur den Weg?“ Die Bank bot das gesamte Gebäude zum Kauf an.
Volksbank-Vorstand Werner Bruns erläuterte den Ratsmitgliedern in nichtöffentlicher Sitzung Hintergründe der Entscheidung. Der Gemeinderat traf - nach vertraulicher Rücksprache mit dem Arbeitskreis „Zukunft für Rhade“ sowie dem wirtschaftlichen Verein „Dorfladen Rhade“ - den einstimmigen Beschluss, das Bankgebäude kaufen zu wollen.
Der Vertrag ist allerdings noch nicht unterzeichnet. Das erwähnten die Bankvorstände Werner Bruns und Jochen Johannsen sowie der Rhader Bürgermeister Thomas Czekalla mit seinen Stellvertretern Walther Viebrock und Fred Bollmeier vor der Presse.


Synergie-Effekte erhofft
Was bedeutet der Eigentümerwechsel für die Bankkunden? Im Grunde bleibt alles beim Alten, nur wird die Volksbank in dem 1974 erbauten und rund 316 Quadratmeter großen Gebäude zukünftig nur noch einen kleinen Teil desselben nutzen. Beratung und Kundenservice, Öffnungszeiten und täglich zugängliche Selbstbedienungs-Zone bleiben unverändert bestehen. Zudem soll ein neuer Geldautomat mit Aus- und Einzahlfunktion aufgestellt werden. In der bald kleineren Geschäftsstelle werden weiterhin zwei Mitarbeiter tätig sein. Der Umbau des Bank-Bereiches ist für Anfang 2016 vorgesehen.
Auch das Rhader Gemeindebüro wird vor Ort bleiben. Im Hauptbereich soll der Dorfladen mit kleinem Café seinen Platz finden. Werner Bruns erwartet, dass die Besucherfrequenz sowohl der Bank als auch dem Dorfladen zugute kommt. „Wir versprechen und Synergie-Effekte für beide Seiten“, sagt Thomas Czekalla. Er ist froh, dass die Bank weitere fünf Jahre im Ort präsent bleibt.
Außerdem hebt er hervor: Die Kosten für den Kauf und Umbau des Bankgebäudes, um den Dorfladen einzurichten, entsprächen nicht annähernd der Summe, die voraussichtlich für den mit vielen Unwägbarkeiten verbundenen Umbau des „Jägerhauses“ erforderlich gewesen wären. Allein für den Dorfladen in der ehemaligen Gaststätte wären 300 000, insgesamt sogar mehr als 600000 Euro fällig geworden - ganz abgesehen von den Folgekosten, berichtet der Bürgermeister.
Ein weiterer Nebeneffekt: In dem „klar strukturierten Raum“ der Volksbank sei ein Dorfladen einfacher einzurichten als in der verwinkelten Gaststätte. Der ursprünglich vorgesehene Abriss derselben stehe aufgrund der neuen Entwicklung wieder zur Debatte. Ein Dorftreff könne losgelöst davon weiter geplant werden.
Wichtig sei, dass die vielen engagierten Bürger „nicht die Lust verlieren“, sondern nun eine klare Perspektive für den Dorfladen haben. Ziel sei es, diesen zum 1. Oktober 2016 im Bankgebäude zu eröffnen. Zuvor gelte es, die Förderanträge für Kauf und Umbau im Zuge der Dorferneuerung bis zum 30. September zu stellen. Czekalla: „Wir rechnen noch in diesem Jahr mit einer Zusage.“



Dorfladen: Bisher positive Reaktionen
RHADE. Durchweg positive Reaktionen erntet bisher das Vorhaben der Gemeinde Rhade, das im Ortskern an der Zevener Straße stehende Volksbank-Gebäude kaufen zu wollen. Damit stünde das frühere „Jägerhaus“ nicht mehr im Fokus der Planungen für einen Dorfladen.
Der Vorsitzende des wirtschaftlichen Vereins „Dorfladen Rhade“, Rüdiger Meyer, ist über die neue Entwicklung nicht unglücklich. Nach Abwägung aller Vor-und Nachteile im Vorstand biete der neu ins Auge gefasste Standort im Grunde nur Vorteile gegenüber der bisherigen Planung.
Sicher, es sei bereits sehr viel Eigenleistung in die Herrichtung der ehemaligen Gaststätte für den neuen Zweck als Dorfladen geflossen, doch losgelöst von diesen ideellen Momenten müsse der Verein nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten agieren. Schließlich werde der künftige Dorfladen nicht bezuschusst, sondern müsse sich selbst tragen und im Ergebnis mindestens eine schwarze Null schreiben.
Im Bankgebäude habe der Dorfladen etwa 200 Quadrameter Platz und damit mehr als im „Jägerhaus“. Das bedeutet, dass den Bürgern ein größeres Warenangebot präsentiert werden könne, was bezüglich der Attraktivität ein bedeutender Faktpr sei. Nicht zuletzt sei auch die Raumaufteilung in der Bank klarer als in der verwinkelten ehemaligen Gaststätte.
Bausubstanz ist besser
Es gebe gut erreichbare Parkplätze an der Bank und vor allem sei die Gebäudesubstanz besser als die des „Jägerhauses“. Überhaupt halte er das Bankgebäude für ansprechender. Mit anderen Worten: Vorausgesetzt, dass Gemeinde und Volksbank den Kaufvertrag unterzeichnen, im Rahmen der Dorferneuerung Zuschüsse für den Umbau an die Gemeinde fließen und alles nach Plan verläuft, wäre eine „Nutzung von uns wahrscheinlich“, so der Vorsitzende des wirtschaftlichen Vereins.
„Der Betrieb eines Dorfladens im Volksbank-Gebäude wäre für uns vorteilhafter. Wir können uns das vorstellen“, sagte Rüdiger Meyer gestern sachlich-zurück-haltend im Gespräch mit der ZZ. Auch die zu erwartenden Synergie-Effekte eines kleinen Einkaufs- und Dienstleistungszentrums sieht er positiv.
' Horst Schäfer vom Arbeitskreis „Zukunft für Rhade“ hält die neue Entwicklung nach Abwägung der Vor- und Nachteile ebenfalls für sinnvoll. Auf Anfrage der ZZ machte er zugleich deutlich, dass das vorrangige Ziel der Initiative, im Ortszentrum einen Dorftreff mit Einkaufsmöglichkeit zu schaffen, erhalten bleibe. Den Dorfladen im Bankgebäude einzurichten sieht er als einen „ersten Schritt“ in diese Richtung.
Was die Förderung im Zuge der gemeindlichen Dorferneuerung betrifft, sieht Siegfried Dierken vom Landesamt für Geoinforma-tion und Landentwicklung keine Probleme auf die Rhader zukommen. Die Sachlage sei gleich geblieben, nur das Gebäude sei ein anderes. Zur Förderentscheidung: „Wir hoffen, dass wir das bis Ende des Jahres hinkriegen.“ (Ih)


Meine Meinung - LUTZ HILKEN: Ganz neue Möglichkeiten
Ein Dorfladen im Bankgebäude? Eine neue Situation, die es neu zu bewerten gilt und die ganz neue, bessere Möglichkeiten bietet. Fahrlässig wäre es gewesen, diese Chance ungenutzt zu lassen. Fahrlässig wäre es gewesen, den Dorfladen-Vor-Stand und den Arbeitskreis „Zukunft für Rhade“ nicht mit ins Vertrauen zu ziehen. Das Miteinander von Rat und Bürgern ist die Grundlage für die weiteren Vorhaben - ohne freiwillig engagierte Bürger geht es nun einmal nicht. Insofern: alles richtig gemacht. Aber Obacht: Noch ist der Kaufvertrag nicht unterschrieben, sind Zuschussanträge nicht bewilligt. Gibt es eine Absage, bleibt die Planung wie bisher. Kommt es zur Zusage, wie von allen Seiten erwartet, darf sich Rhade auf ein kleines Einkaufs- und Dienstleistungszentrum freuen - eine Gewinnsituation für alle Beteiligten. ZZ 11.09.2015