Erste Weichenstellung für die Dorferneuerung - Saonntagsjournal 17.02.2014

Erste Weichenstellung für die Dorferneuerung - Saonntagsjournal 17.02.2014

 

Erste Weichenstellung für die Dorferneuerung
Von Wolfgang Millert

RHADE. Die Bürgerversammlung mit Ideen-Werkstatt zum Start für die geplante Verbunddorferneuerung war am Freitagabend mit über 60 Interessierten in der Rhader Grundschule außerordentlich gut besucht. Das stellten Bürgermeister Thomas Czekalla und Andreas Ackermann vom Büro für Garten- und Landschaftsarchitektur Hannover fest, als es darum ging, die Stärken und Schwächen der Orte Rhade und Rhadereistedt aus Sicht der Einwohner in darzustellen.

Die Dorferneuerung hat das Ziel, spezifische Eigenarten zu bewahren, zu stärken und gleichzeitig eine nachhaltige Entwicklung der Dörfer als Lebens-, Wohn- und Arbeitsraum aufzuzeigen und zu fördern.

In zwei Arbeitsgruppen, jeweils eine für Rhade und eine für Rhadereistedt, wurden viele Dinge zusammengetragen und aufgeschrieben, die dort in Ordnung sind. Es wurden auch Auffälligkeiten festgehalten, die verbesserungswürdig erscheinen.

Am Ende waren vier Stellwände mit Meinungen und Vorschlägen dicht bespickt, die von den Bürgern in zweistündiger Diskussion zusammengetragen worden waren. Zu den positiven Aspekten in Rhade wurden unter anderen Kinder- und Familienfreundlichkeit, die gute Gestaltung des Ortsmittelpunktes um die Kirche herum, reges Vereinsleben, die ärztliche Versorgung und die natürliche Landschaft ins Feld geführt. Nicht zuletzt ist auch die Verkehrsanbindung nach Selsingen, Zeven, Tarmstedt und Gnarrenburg in Ordnung.

Als Schwäche wurden fehlende Einkaufsmöglichkeiten genannt. Auch ein Veranstaltungsraum und Gastronomie wurden vermisst. Leerstände im Wohn- und Gewerbebereich gibt es leider auch. Hiervon sind überwiegend ältere Häuser betroffen, die wegen der neuen Energieeinsparungsgesetze und des damit verbundenen hohen Investitionsbedarfs kaum Käufer finden. Einige Bürger wünschten sich etwas mehr Abwechslung bei der landschaftlichen Grüngestaltung, beispielsweise durch Anlegen von Hecken und Obstwiesen.

Die Rhadereistedter führten für ihren Ort das intakte Vereinsleben mit guter Dorfgemeinschaft und ruhigem Wohnumfeld sowie florierendes Gewerbe ins Feld. Die Landschaft wird mit dem angrenzenden Wald als intakt bewertet. Nicht zuletzt fühlt man sich hier sicher, weil die Kriminalitätsrate sehr niedrig ist.

Zu den Schwächen zählen der fehlende Ortsmittelpunkt, ein nicht vorhandener Jugendraum sowie ein vakanter Veranstaltungssaal und zu wenige Wanderwege. Der zunehmende Lkw-Verkehr auf den schmalen Straßen nach Breddorf und Kirchtimke sollte unterbunden werden. Kritisch wurde auch die hohe Altersstruktur der Bewohner bewertet. Es müsse Bauland ausgewiesen werden, um junge Leute ins Dorf zu holen.

Als Visionen wurden ein Rhader Dorfladen mit Dorftreff für alle Generationen genannt, Erarbeitung eines Leerstandsplans mit Schaffung von Mietwohnungen angeregt. Die Vernetzung von vorhandenen Anlagen zu einem Energiekonzept wurde ebenso vorgeschlagen wie die Schaffung eines Naturbadesees.

Bürgermeister Czekalla und Planer Ackermann waren mit dem Ergebnis dieser Auftaktveranstaltung hoch zufrieden und freuten sich, dass sich rund 25 Bürger in Arbeitskreisen zusammengeschlossen haben, die alle Vorschläge in nachfolgenden Sitzungen bündeln werden. Im Juni wird es dann die gemeinsame Vorstellung eines Konzepts zur Verbunddorferneuerung der drei Selsinger Südgemeinden Rhade, Ostereistedt und Godenstedt geben. Sonntagsjournal, 17.02.2014, Wolfgang Millert.



Foto: Bürgermeister Thomas Czekalla (rechts) Planer Andreas Ackermann und Mitarbeiterin Kathrin Lützen präsentieren die vielen Vorschläge zur Dorferneuerung. Foto: Millert