Der Saal war voll - Rhader Bürger zeigen Interesse ZZ 31.10.2013

Der Saal war voll - Rhader Bürger zeigen Interesse ZZ 31.10.2013

 

 

Der Saal war voll - Rhader Bürger zeigen Flagge

Rhade. Zurück zu Tante Emma: Viele Einwohner aus der Gemeinde Rhade machen damit Ernst. Sie gaben am Dienstagabend nach einer Bürgerversammlung eine schriftliche Absichtserklärung ab, Geschäftsanteile an einem geplanten Dorfladen zu zeichnen. Startergebnis: 92 Anteile im Gesamtwert von 23 000 Euro sind bisher gefragt. Bis Ende des Jahres haben Interessierte die Chance, weitere Anteile zu erwerben. Von Lutz Hilken

„Es sieht aus wie in alten Zeiten“, freute sich Bürgermeister Thomas Czekalla über den vollen Saal des eigentlich leerstehenden ehemaligen „Jägerhauses“, in dem der Dorf-Treff mit kleinem Lebensmittel-Geschäft entstehen soll. Bis es so weit ist, gilt es viele Hürden zu überwinden.

Daher bemühen sich die Gemeinde und der Arbeitskreis Zukunft für Rhade um Fördermöglichkeiten, etwa im Rahmen einer angestrebten Verbund-Dorferneuerung mit Seedorf und Ostereistedt, um das Gesamtprojekt finanziell zu stemmen. Doch darum ging es nicht am Dienstag. Vielmehr stand der geplante Lebensmittel-Laden im Dorf-Treff im Fokus. Auch dieser will finanziert werden.

Die Idee lautet, einen wirtschaftlichen Verein zu gründen und Geschäftsanteile im Wert von je 250 Euro herauszugeben. Jeder solle sich am Dorfladen finanziell beteiligen können, so die Maxime. Maximal könnten 40 Anteile pro Person erworben werden.


Einer der wichtigsten Tage

„Für uns ist heute einer der wichtigsten Tage für die Zukunft unseres Dorfes“, unterstrich Rolf Heinz vom Arbeitskreis. Thomas Czekalla: „Es wurde schon einiges erreicht, der Weg geht weiter.“
Um Lust darauf zu machen, hatten die Initiatoren mit dem „Dorfladen-Papst“ Wolfgang Gröll aus Bayern einen ausgewiesenen Fachmann eingeladen. Der Unternehmensberater zeigte anhand eines Films des ARD-Wirtschaftsmagazins Plusminus (hier klicken), wie gut und warum Dorfläden existieren können. Kurze Wege, Zeit- und Fahrtkostenersparnis, regionale Produkte und faire Preise, die mit großen Anbietern mithalten können, nannte er als Argumente. Mal ganz abgesehen von den sozialen Kontakten vor Ort.



Die Rückkehr von Tante-Emma-Läden in zeitgemäßer Variante ist allerdings kein Selbstläufer, auch das machte er deutlich. „Jedes Dorf muss sein eigenes Konzept suchen und finden.“ Mit Qualität und Frische der Lebensmittel gelte es zu punkten, mit Individualität und Geschmacksvielfalt aus der Region. Verbunden mit weiteren Dienstleistungen, etwa einem Post-Shop, einer Toto-Lotto-Annahmestelle, einem Café, guten Serviceleistungen, mit Herzlichkeit, pfiffigem Marketing und einer emotionalen Bindung könne es gelingen, den Dorfladen zum Erfolg zu führen. Gröll riet den Rhadern angesichts hervorragender Voraussetzungen im Ort: „Packen Sie es an!“

Günter Lühning vom Dorfladen-Netzwerk in Otersen (Landkreis Verden) stellte Umfrage-Ergebnisse und Berechnungsmodelle vor (siehe nebenstehenden Bericht), sodann informierte der Arbeitskreis über die Bürgerbeteiligung am Dorfladen.
Horst Schäfer warb darum, dass sich möglichst viele Einwohner für den Erwerb von Geschäftsanteilen entscheiden, um Identifikation und eine solide Basis zu schaffen. Eine Gründungsversammlung des Dorfladen-Vereins wäre etwa Mitte Januar denkbar. Unter den Bürgern gab es vereinzelt Stimmen, der genossenschaftliche Gedanke finde zu wenig Eingang in das Modell des wirtschaftlichen Vereins. Daher nimmt die Arbeitsgruppe weitere Fragen und Anregungen gerne auf und wird diese in die weiteren Überlegungen mit einfließen lassen. Wer Anteile erwerben möchte oder weitere Fragen hat, dem stehen Horst Schäfer, Rolf Heinz und Dieter Spreckels in Rhade als Ansprechpartner zur Verfügung. ZZ 31.10.2013

 

 

 

 

Günter Lühning: „Allerbeste Voraussetzung in Rhade"


RHADE. Rhade bietet für einen Dorfladen „allerbeste Voraussetzungen“. Das unterstrich Günter Lühning (Foto) aus Otersen vom Dorfladen-Netzwerk während der Bürgerversammlung im ehemaligen „Jägerhaus“, das zum Dorf-Treff mit Laden umfunktioniert werden soll.
Dass das Vorhaben realistische Erfolgsaussichten hat, ergibt sich seinen Worten zufolge aus den Ergebnissen einer Bürgerbefragung zum Einkaufsverhalten der Einwohner aus Rhade und Rhadereistedt.


Nach Ansicht von fast 85 Prozent der Befragten sollte sich die Versorgungssituation in der Gemeinde verbessern. Eben so viele wünschen sich einen Dorfladen, zwölf Prozent können sich einen mobilen Verkaufswagen vorstellen, drei Prozent einen Lieferdienst. 86 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, im Dorfladen einkaufen zu wollen. Wichtig ist diesen Menschen, dass der Preis stimmt (71 Prozent), regionale Produkte angeboten werden (43 Prozent), der Laden fußläufig erreichbar, die Öffnungszeiten ausreichend sind und man am Laden problemlos parken könne.

„Ein guter Wert"
21 Prozent der Bürger aus 262 Haushalten gaben an, sich nicht finanziell am Laden beteiligen zu wollen. „Das ist ein guter Wert“, beruhigte Günter Lühning Skeptiker. Der Durchschnitt liege andernorts bei 33,5 Prozent. 70 Haushalte wollten sich beteiligen, 82 Haushalte seien unentschlossen, so die Umfrage. Als Dienstleister seien Postagentur, Toto-Lotto-Annahmestelle sowie Liefer- und Bringservice gewünscht.
Die Kosten für Ladeneinrichtung, Warenbestand, Liquidität und Sonstiges bezifferte Lühning auf rund 70000 Euro. Weitere 20000 Euro stünden als Umbaukostenzuschuss im Raum.
Das von Bürgern aufzubringende Eigenkapital (Anteile) betrage je nach Finanzierungsmodell 40000 bis 50000 Euro. Rhades Marktvolumen umfasse 1,2 Millionen Euro, ein Jahresumsatz von 300000 bis 700000 Euro sei möglich. Im ersten Wirtschaftsjahr sei ein leichter Verlust normal, bei 60 wöchentlichen Öffnungsstunden müsse ein Rohertrag von etwa 70000 Euro erzielt werden, um die Kosten zu decken.
„Nach unseren Berechnungen müsste es möglich sein, im zweiten oder dritten Wirtschaftsjahr eine schwarze Null zu schreiben“, so Lühning. Rhade habe die Möglichkeit, Dorfladen, Kultursaal, Café und Jugendtreff unter einem Dach zu vereinen. Eine Steilvorlage. „Der Ball liegt auf dem Elfmeterpunkt. Jetzt liegt es an Ihnen, ihn zu verwandeln.“ (Ih, ZZ 31.10.2013)

 

 

LUTZ HILKEN: Nagelprobe bestanden! Nach der Zeit des Redens folgt jetzt die des Handelns. Eine Nagelprobe. Wie viele Einwohner würden sich tatsächlich mit wie vielen Geschäftsanteilen am Dorfladen Rhade beteiligen? Diese Frage stand am Dienstag unausgesprochen im Raum. Das nun vorliegende gute Auftakt-Ergebnis gibt den Befürwortern des Vorhabens weiteren Aufwind. 23 000 Euro befinden sich im Topf. Das reicht noch nicht für die Gesamtmaßnahme. Die Summe signalisiert aber, dass der Dorfladen wirklich gewollt ist. Das ist vor allem ein Verdienst des Arbeitskreises Zukunft für Rhade. Er leistet hervorragende Überzeugungsarbeit, holt sich Fachleute an die Seite, nimmt Kritiker ernst, will möglichst alle Bürger mit ins Boot holen. Das gibt berechtigten Anlass zur Hoffnung, dass bis Ende des Jahres genug Anteile gezeichnet werden. (lh, ZZ 31.10.2013)