Aus fürs Rhader „Jägerhaus“ ZZ 20.01.2010

Aus fürs Rhader „Jägerhaus“ ZZ 20.01.2010

 

 

Der Zapfhahn im „Jägerhaus“ bleibt jetzt zu: Wolfgang Rudnick empfindet die Entscheidung, das Geschäft aufzugeben, als „Befreiung“. Foto: lh

 

 

 

 

 

 

 

Aus fürs Rhader „Jägerhaus“

Rhade. Feiernde Menschen auf dem Saal, gut gelaunte Paare auf der Kegelbahn, angeregt plaudernde Gäste in der Gaststube, eine im Clubraum speisende Festgesellschaft: Diese Szenen wird es nicht mehr geben im „Jägerhaus“ in Rhade. Die traditionsreiche Gaststätte der Familie Rudnick hat ihre Türen geschlossen – für immer. Von Lutz Hilken

Rhade. Feiernde Menschen auf dem Saal, gut gelaunte Paare auf der Kegelbahn, angeregt plaudernde Gäste in der Gaststube, eine im Clubraum speisende Festgesellschaft: Diese Szenen wird es nicht mehr geben im „Jägerhaus“ in Rhade. Die traditionsreiche Gaststätte der Familie Rudnick hat ihre Türen geschlossen – für immer.

Die Gründe sind vielfältig und doch simpel: Gäste blieben zunehmend aus, „Altlasten“ machten das Geschäft nicht einfacher, notwendige Investitionen konnten nicht getätigt werden. Ein Teufelskreis. „Woher nehmen, wenn nicht stehlen?“, sagt Wolfgang Rudnick.

Der 55-Jährige sah keine Perspektive mehr für das Gasthaus und zog die Notbremse, meldete Insolvenz an. Eine Entscheidung, die er als „Befreiung“ empfindet. „Es ist, als ob eine zentnerschwere Last wegfällt“, bekennt er im Gespräch mit der Zevener Zeitung.

„Kein Urlaub, keine Freizeit, kein Privatleben.“ So fasst der Rhader seine Zeit als Wirt zusammen. Nicht gut zu sprechen ist er auf die Politik: „Die Großen kriegen Subventionen und die Kleinen müssen sehen, wie sie klarkommen.“ Doch er sucht die Schuld nicht nur bei anderen, denn auch er habe Fehler gemacht, räumt Wolfgang Rudnick selbstkritisch ein.

Der Gastronom stammt aus Bad Segeberg und kommt im zarten Alter von acht Jahren nach Rhade. Dort kaufen seine Eltern Anfang der 1960er Jahre das „Jägerhaus“, bauen es kräftig um und aus, eröffnen eine Kegelbahn.

Es sind gute Zeiten damals für das Gastgewerbe. „Jeden Freitag und Samstag Hochzeiten“, erinnert sich Wolfgang Rudnick, die Gaststube oft rappelvoll, nach Siegen der Rhader Fußballer herrscht „high life“, in den besten Jahren stehen fünf Festangestellte auf der Gehaltsliste der Inhaber des „Jägerhauses“.

Wolfgang Rudnick will ebenfalls ins Gastgewerbe, absolviert eine Ausbildung in Achim, drei Jahre als Koch, zwei Jahre als Kellner – und erfüllt sich einen Traum, wandert aus nach Kanada, arbeitet dort zwei Jahre in der Nähe von Toronto. Der Gastronom ist kein Mann vieler Worte, doch lächelt er bei diesen Erinnerungen und gerät förmlich ins Schwärmen. Er habe schon Pläne für ein eigenes Restaurant mit Motel in Kanada gehabt, erzählt er. Doch nach einem schweren Verkehrsunfall seiner Schwester folgt er der Bitte, nach Deutschland zurückzukehren. Ehrensache für ihn, die Familie nicht im Stich zu lassen.

So übernimmt er nach weiteren beruflichen Stationen als Koch in Bad Bederkesa und Zeven das Gasthaus in Rhade, eröffnet zusätzlich einen Pizza-Bringdienst.

Nach anfänglichen Erfolgen wird das Geschäft mit der Gastronomie schwieriger – nicht nur in Rhade. Denn ihr Bier trinken viele Bürger nicht mehr in Kneipen, sondern sie treffen sich in Dorfgemeinschaftshäusern oder Vereinsheimen. Die Einführung des Euro ist ebenso wenig von Vorteil: „Der hat vieles reingerissen. Da ging es bergab.“

Wie es nach der Geschäftsaufgabe mit dem „Jägerhaus“ weitergeht? „Keine Ahnung“, sagt Wolfgang Rudnick leise. Womöglich werde es verkauft oder versteigert. Er selbst möchte gerne weiter in der Gastronomie arbeiten, „dem Staat nicht auf der Tasche liegen“, Zeit für seine Lebensgefährtin haben, mal angeln gehen und liebend gerne noch einmal nach Kanada reisen: „Man muss Träume haben.“ ZZ, 20.01.10