Andrea Glinsmann - Ironwoman

Kurz vor dem Zieleinlauf vor Freude geweint

Andrea Glinsmann bewältigt die Ironman-Distanz

VON MANFRED KRAUSE RHADE. Der Triathlon in Roth, eine der größten Veranstaltungen der Welt über die Langdistanz, zog erneut die Massen an. Bei der „Challenge Roth" gingen 4000 Teilnehmer aus 50 Ländern an den Start. Mittendrin die Rhaderin Andrea Glinsmann: Die 38-Jährige, die beim Lauftreff des SV Eintracht Hepstedt/Breddprf aktiv ist, hatte sich intensiv auf die Herausforderung vorbereitet glänzte mit einer starken Leistung und lief nach 13:39 Stunden gemeinsam mit ihrer Tochter Jette, die ihre Mutter dort erwartet hatte, durchs Ziel.
„Das war top, was Andrea auf der anspruchsvollen Strecke geleistet hat. In der Region gibt es nur wenige Frauen, die sich das Zutrauen“, sagt Rainer Schröder, der die Athletin mit einer Gruppe vom Tri-Team Ummel begleitete. Der Routinier weiß aus eigener Erfahrung, wie groß die „Schmerzen“ sein können, wenn es heißt,

3,8 Kilometer zu Schwimmen, 180 Kilometer Rad zu fahren und dann noch einen Marathon zu laufen. Der Plan der 38-Jährigen reifte, als ihr Mann Carsten im vergangenen Jahr in Klagenfurt beim Ironman startete und sie an der Strecke den Wettkampf verfolgte. „Das will ich auch, hatte ich für mich entschieden“, erzählt Andrea Glinsmann. Zu Hause angekommen, meldete sich für die „Roth Challenge“ an und begann im November 2014 mit dem Training.


Zeitaufwändige Vorbereitung
„Ich bin ja kein Neueinsteiger, denn bei unseren Landesligawettkämpfen habe ich die kürzeren Varianten bereits absolviert“, so die 38-Jährige. Dann folgte die gezielte Vorbereitung: Der zeitliche Aufwand war groß. Parallel dazu galt es, sich um den Haushalt und die beiden Kinder Timo (13) und Jette (10) zu kümmern, nicht zu vergessen der Halbtagsjob als EDV-Fachkraft in Brauel.
„Zunächst hatte ich eine Zeitschrift als Trainingsvorlage“, berichtet Andrea Glinsmann. Danach schrieb ihr Mann den Trainingsplan. Im Januar ging es in die Vollen: Die Schwimmeinheiten fanden im Zeven statt, die Generalprobe im Hellingster See. Das Training auf dem Rennrad wickelte die gebürtige Plön-jeshausenerin in der Region ab. Beim abschließenden Härtetest ging es bis zum Lüheanleger und zurücki Das waren stolze 150 Kilometer. Die Läufe gingen dabei während der Vorbereitung nie über die volle Distanz.

Ernstfall in Roth geprobt
Der Ernstfall wurde dann gleich zwei Mal im „Mini-Trainingsla-ger“ in Roth geprobt. „Danach wusste ich, dass ich gut vorbereitet war“, sagt Andrea Glinsmann, die zwei Tage vor dem Wettkampf mit Fhemann Carsten, den Kindern und einer zwölfköpfigen Ummel-Triathlon-Gruppe anreiste.
Nach der Anmeldung und dem Empfang der Startnummer wurde zur Pasta-Party geladen. „Das war alles sehr beeindruckend. Von der Menschenmenge wurde man fast erschlagen, doch alles sah sehr gut aus“, so Glinsmann, die sich am Tag vor dem Start mit den Örtlichkeiten vertraut machte. „Ich habe mir bestimmte Punkte eingeprägt, um zum Beispiel nach dem Schwimmen mein Rad zu finden. Dort standen immerhin 4000 Rennräder“, erzählt Glinsmann.
Dann wurde es ernst: Mit dem Kanonenstart am Sonntag tauchte die 38-Jährige mit 250 Konkurrentinnen ins Wasser des Main-Donau-Kanals, begleitet von vielen Fans, die die Schwimmerinnen vom Ufer lautstark anfeuerten. „Das Schwimmen lief besser als erwartet“, freute sich Glinsmann. Nach einer Stunde und 18 Minuten stieg sie aus dem Wasser, zog sich neue Sachen an und stieg anschließend aufs Rennrad.

Fordernder Rundkurs
Der Rundkurs von jeweils 90 Kilometern - teilweise wellig und mit einigen Anstiegen von bis zu zehn Prozent - wurde zur Herausforderung. Doch die Strecke hatte landschaftlich durchaus ihre Reize, etwa den Solarer Berg in Hilpolstein. „Dort war die Stimmung ausgelassen und es kam ein echtes Tour-Feeling auf“ schwärmt Andrea Glinsmann, die aber auch froh war, dass sie nach 180 Kilometern vom Rad runter durfte.
Auch den Marathon meisterte sie mit Bravour. „Wichtig ist, dass man ausreichend trinkt und unter anderem Energieriegel zu sich nimmt. Die Laufstrecke teilt man sich in Häppchen ein, zählt damit die Kilometer runter. Und als noch drei Kilometer zu laufen waren, habe ich vor Freude geweint. Es war einfach ein Glücksgefühl zu spüren, dass man die Strapazen gleich hinter sich hat“, berichtet Andrea Glinsmann.
Der Zieleinlauf erfolgte im Triathlon-Park. „Dort musste man noch eine Runde laufen. Zu dem Zeitpunkt war meine Tochter Jette bereits an meiner Seite, die mich über ein kurzes Stück begleitet hatte. Meine Familie war total stolz auf mich“, berichtet Andrea Glinsmann.
Und wie waren die körperlichen Schmerzen am nächsten Tag? „Die gab es so gut wie gar nicht. Daraus habe ich geschlossen, dass ich optimal trainiert war.“ Die Rhaderin bekam als „Lohn der Arbeit“ eine Medaille und ein „Finisher-Shirt“. „Es ist schon möglich, dass ich den Wettkampf erneut bestreite. Das Wann und Wo lasse ich aber offen“, sagt die 38-Jährige.

ZZ 01.08.2015